Tag 172 -Sing Hallelujah, Papa

Gepostet am Aktualisiert am

Diesen Beitrag habe ich ursprünglich im Mitmach-Blog veröffentlicht.

 Wenn ich dieses Lied höre, muss ich an meinen Vater, der vor 20 Jahren starb, denken, an ihn und unsere Geschichte.

Ich hatte ihn als Kind nur sehr selten getroffen, da sich meine Eltern schon vor meiner Geburt getrennt hatten. Tatsächlich war ich auch nicht wirklich traurig darüber, mein Vater  war sehr groß, sehr breit, ziemlich laut und und ein Choleriker vor dem Herrn. Er liebte Witze auf Kosten anderer, wie ich selbst leidvoll erfuhr. 

Trotzdem hat er mich wohl auf seine Art geliebt, ich hingegen weiß es bis heute nicht, vor allem hatte ich Angst vor dem mir so fremden Mann.  Genau das war er für mich, da wir zwischen meinem achten und achzehnten Lebensjahr keinen Kontakt hatten, meine Eltern hatten sich zerstritten. Eine Vaterfigur brauchte ich auch nicht, ich hatte mit meinem Opa und meinem kinderlosen Onkel gleich zwei davon und noch dazu richtig tolle.

Ich habe oft gedacht, bei null Kontakt hätte ich es lassen sollen. Ich liebte ihn sicherlich auch so irgendwie, aber mögen? Nein! Bewundert habe ich ihn dafür, dass er sich immer traute ganz und total er selbst zu sein. Aber mit der Zeit und vor allem  mit der Geburt seiner Enkeltochter, die er abgöttisch liebte, wurde unser Verhältnis dann entspannter.

Die Kleine wickelte ihn vom ersten Moment um den Finger und dieser poltrige Kerl behandelte sie wie ein rohes  Ei. Auch meine Tochter fand ihren Opa Willi und seinen kleinen Privatzoo toll, seine Tiere waren sein ein und alles. Am liebsten ging sie ganz früh morgens mit ihm zu den Hühnetn, Eier einsammeln. Ich sehe es noch vor mir, den Bär von einem Mann und das kleine Pusselchen mit Gummistiefeln beide in trauter Eintracht.

Leider war den Zweien nur eine kurze gemeinsame Zeit vergönnt, mit nur 62 Jahren starb mein Vater an den Folgen eines Schlaganfalls und wohl an seiner Art zu leben.

Auf einmal musste ich, als nächste Angehötige, seine Beerdigung organisieren und alle quatschten auf mich ein, mach dies, mach jenes:“Das gehört sich so!“. Mitte der 90iger war man noch viel konservativer als heute. Aber mein Vater hat Zeit seines Lebens darauf gepfiffen, was andere von ihm denken. Daran habe ich mich orientiert und eine Beisetzung organisiert, die zu ihm gepasst und die er gemocht hätte. Bunte Kleidung war erwünscht, der Pfarrer fiel aus, sein bester Freund „Lord Uli“ sang für ihn Poor Boy und zum Abschluss den absoluten Lieblingssong meines Dads Sing Hallelujah. Einen Leichenschmaus gab es nicht, aber abends trafen sich „seine“ Menschen in der Lieblingsbar und erzählten von ihren Erlebnissen mit meinem Vater und dazu wurden all seine liebsten Lieder gespielt, so auch wieder Sing Hallelujah, wir feierten sein zu kurzes, aber spannendes Leben. Ob ich richtig hörte, als ich plötzlich ein kleines zufriedendenes Lachen hörte, das von sehr weit her zu kommen schien?

Bis heute kann ich das Wort Hallelujah nicht hören ohne an Papa zu denken und irgendwie war es schon cool, dass gerade ich die Tochter von diesem sehr speziellen, unangepasstem Mann sein durfte.

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Ein Kommentar zu „Tag 172 -Sing Hallelujah, Papa

    Smamap sagte:
    11. Dezember 2016 um 9:43

    Und so hat jeder seine ganze eigene Geschichte mit seinem Dad …..

    Gefällt mir

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