abcEtüden textwoche 14-20 – Geschichten aus der alten Villa –

Im Moment habe ich so richtig Bock zum Schreiben und in die abcEtüden bin ich ja schon lange verliebt und jetzt im Urlaub, den ich Dank Corona Zuhause verbringen muss, habe ich ja genug Zeit. Ich habe beschlossen aus meinen abcEtüden eine Geschichte in Fortsetzungen zu machen.

Lale und die alte Villa, Teil 1

@pixabay

Die Steine waren verwittert, die Holzrahmen der Fenter, einst weiß, jetzt schmutzig grau und die ehemals elegante doppelflüglige Eingangstür aus Zedernholz, war mit tausend Sprüchen und Grafitis besprüht, aber mit der Messinglampe, deren Glas und Glanz schon lange fehlten, wirkte sie trotz allem noch auf eine ganz eigene Weise eindrucksvoll. Alt war sie und groß, die Villa, bereits von weitem strahlte sie Leere und die Abwesenheit jeglichen Lebens aus, wäre da nicht noch der Vorgarten, den sich inzwischen unendlich viele knallgelb blühende Forsythien erobert hätten, die neben dem Wein, der am Haus rankte doch irgendwie vom Leben zeugten. Uralt war sie und geheihmnisvoll, es war spürbar, dass schon lange niemand darin gelebt hatte. Was würde sie darin vorfinden, denn laut des Notars gehörte die jetzt ihr. Ihre Patentante, die letzten Jahre in einem Seniorenheim an der Küste lebte, hatte sie ihr, neben ihrem Vermögen, mit der Auflage, mindestens ein Jahr darin zu leben und einem dicken Brief, vererbt. Der Sonnenuntergang tauchte das alte Haus in weiches Licht, jetzt wirkte es wie ein Märchenschloß. Endlich gab Lale sich einen Ruck, ging zur Eingangstür und schloss sie mit dem altmodisch großen Schlüssel auf. Jetzt stand sie in der riesigen Eingangshalle, in der die Staubpartikel nach einer eigenen Choreographie zu tanzen schienen. Von den Wänden blickten dunkel gekleidete Herren, deren Blicke alles andere als warm waren auf sie herab, wahrscheinlich die Vorfahren von Tante Tusnelda. Rasch ging sie weiter in den Salon, indem die Zeit vor 100 Jahren – so schien es – angehalten worden war, mit der roten Plüschgarnitur, den schweren Schränken aus dunklem Holz. Und kalt war es hier drinnen, sie würde hier bestimmt erfrieren. Da, waren das da oben Schritte? Quatsch, ermahnte Lale sich, gleich würden noch weiß gewandete Geister durch die Luft fliegen. Gut, dass sie alleine war, mit ihrem laut pochendem Herzen machte sie sich ja lächerlich. Aber stop, was war das? Tap, tap, tap, langsam näherte sich das Geräusch Tap, tap tap, Lale brauchte ihre ganze Selbstbeherschung um nicht laut schreiend davonzurennen. Tap, tap, tap, ein grauer Kopf kam um die Ecke, es war eine Katze, die nun kläglich miauend um ihre Beine strich. Erleichtert beugte sich Lale zu dem Tier, strich sacht über dessen Rücken und sagte: “ Na du, du bist wohl ein hungriges Gespenst“ und musste über ihre eigene Dummheit lachen. (383 Wörter)

Fortsetzung folgt …

Disclaimer

Sonnenuntergang, warm, fliegen
Forsythien, lächerlich, erfrieren

Diese  5 Begriffe in dieser Woche von Corly und Elke H. Speidel und von müssen in einer Geschichte in der maximal 300 Wörtern verwendet werden dürfen. Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Alles weitere findet ihr bei der Lieben Christiane auf „Irgendwas geht immer“. Bei ihr liegt auch das Copyright für die Illustration, die ihr hier als Beitragsbild seht.

❤-lichst

Ela

abcEtüden 12. und 13. Schreibwoche

Was für Zeiten, es ist gar nicht so einfach, sich in diesen Zeiten auf etwas anderes als Corona zu konzentrieren, aber ich möchte dieser Seuche keine Gewalt über mich geben und darum werde ich versuchen, so lockig und flockig, wie nur möglich zu schreiben.

Junger Mann im Frühling

Er war nicht eifersüchtig, kein bisschen, Iwo denn, wo käme er denn da hin. So ein Prachtstück von Mann, wie er, kann doch jede Frau haben, na gut vielleicht nicht ganz jede. Es war doch unbegreiflich, ja lächerlich, dass ausgerechnet sie nicht mit ihm ausgehen will. Glücklich könnte sie sich preisen, dass er sich mit ihr verabreden will. Was glaubt sie denn, wer sie ist? Gleich würde er Hanna, die begehrteste Frau der Gemeinde anrufen, die würde sich die Finger lecken, ganz bestimmt. Und in Gegenwart von Sibel erfrieren die Männer doch bestimmt reihenweise, so kalt wie sie war. Seine Oma hätte gesagt: „Kalt wie Hundeschnauze“. Wenn bloß ihre Augen nicht so dunkel und tief wären, dass man in Ihnen versinken kann und dann dieser Mund, der zum Küssen wie geschaffen schien. Klug war sie auch noch und Humor hatte sie, wenn er mal ganz ehrlich war, wurde ihm eher sehr, sehr warm in ihrer Gegenwart. Gab ein echter Kerl denn so schnell auf? Nee, bestimmt nicht, lacht nicht bekanntlich der am besten, der zuletzt lacht? Sie würde schon noch kapieren, dass er der Richtige für sie war und nicht dieser Schwachmat. Eilig nahm er seine Jacke und klaute ihr den größten Strauß Forsythien, den er finden konnte. Fast schüchtern legte er die Blumen zusammen mit einer neuen Einladung und laut pochendem Herz vor ihre Tür. (217 Wörter)

Die Etüden Regeln

  • Forsythien
  • erfrieren
  • lächerlich

Diese  3 Begriffe in dieser Woche von der lieben Elke H. Speidel müssen in einer Geschichte in der maximal 300 Wörtern verwendet werden dürfen. Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Alles weitere findet ihr bei der Lieben Christiane auf „Irgendwas geht immer„. Bei ihr liegt auch das Copyright für die Illustration, die ihr hier als Beitragsbild seht.

❤-lichst Ela

abcEtüden Woche 10/11 – Das bessere Ende der Welt❓

Kann man anders, wenn man dieses Bild vom Sonnenuntergang sieht? Bei mir jedenfalls meldete sich sofort die alte Romantikerin zu Wort, dazu noch diese Worte, da musste ich mitmachen.

Das bessere Ende der Welt?

Hatte sie schon einmal so etwas Schönes gesehen? Sie war sie tatsächlich nicht oder müsste sie das einfach nur kitschig finden? Eigentlich war sie doch eher der rationale Typ und nun saß sie hier auf einem Poller am Ende der Welt oder besser gesagt, am südlichsten Punkt der USA und sah mit feuchten Augen in diesen so schönen Sonnenuntergang. Schade nur, dass sie hier nicht alleine war, diese vielen, lauten Touristen nervten ganz schön. Schon morgen wäre dieser Blick Vergangenheit, sie würde nach einem ganzen Jahr wieder nach Hause fliegen. Ihre Zeit als Granny Au Pair war vorbei und Theresa wusste, sie würde die Wärme, die Sonnenuntergänge, natürlich die Kinder und ja die Freiheit älter zu sein, aber sich nicht so benehmen zu müssen, schrecklich vermissen. Hier lebte man sein Leben bis zur Neige. In Deutschland würde sie wieder die Mitsechzigerin sein, die sich altersentsprechend verhalten sollte, als wäre ihr klar, dass das was da noch käme, der Abgesang wäre`, der Anfang vom Ende.

Aber sie muss ja nicht fliegen, die Senatorin hatte ihr angeboten zu bleiben, weil sie so gut mit der schwer pubertierenden Carol und dem 8-jährigen Ryan zurecht kam wie keine vor ihr. Die Bedingungen waren fantastisch, aber sie würde ihre Tochter so vermissen. Andererseits führte Anabel ihr eigenes Leben. Was sollte sie nur tun, was war richtig? Da war auch noch Ralph, ihr persönliches Wunder, der sie altes Mädchen tatsächlich zu lieben schien und auch ihr Herz schlug schneller, wenn… Der rote Ball, der da jetzt im Meer versank, würde ihr wohl keine Antwort geben. Das musste sie schon selbst entscheiden.

abcEtüden – Wörter und Regeln

Die Wörter dieser Textwochen 10/11-2020 kommen von Corly’s Blog „Corlys Lesewelt„, es sind:

Sonnenuntergang
warm
fliegen.

Diese  3 Begriffe müssen in einer Geschichte in der maximal 300 Wörtern verwendet werden dürfen. Inhaltshinweise und die Überschrift zählen NICHT zum Text. Alles weitere findet ihr bei der Lieben Christiane auf „Irgendwas geht immer„. Bei ihr liegt auch das Copyright für die Illustration, die ihr hier als Beitrsgsbild seht.

Viel Spaß beim Lesen und Mitmachen❣

ELA

ABC-Etüden 02.03.20

Lange ist es her, aber in dieser schlaflosen Nacht habe ich Lust auf die ABC Etüden.

Die Worte lauten:

Skiurlaub
mickrig
kommandieren.

Die Worte kommen von der lieben Christiane, ihr Blog heißt: Irgendwas ist immer.

In einem Text, einer Geschichte, die aus von maximal 300 Wörtern (ohne Überschrift und Erklärung) bestehen darf, müssen die jeweiligen Worte benutzt werden.

Quelle: Pixabay bearbeitet von Christiane

Ruth, die langen Ski und die alten Knochen

Was war das bloß wieder für eine abstruse Idee gewesen, in ihrem Alter einen Skiurlaub zu machen? In einer Zeitung hatte sie gelesen, es wäre nie zu spät für einen Langlaufkurs und das Langlaufen wäre so gesund. Je oller, je doller und nun stand, besser, sie versuchte auf diesen – wenn man sie fragte – viel zu langen und zu schmalen Skiern zu laufen, ließ sich von einem nicht mal attraktiven Skilehrer, der noch nie was von Empathie gehört hatte, rum kommandieren. Ihr taten schon jetzt sogar die Muskeln und Gelenke weh, von denen sie nicht mal geahnt hatte, dass sie sie hatte. Genau waren sie und ihre Knochen über 80, da halfen auch die Sauna und das mickrige Kaminfeuer abends in der Hotellobby nicht. Entschlossen besann sich Ruth“wat mut, dat mut“ und nahm den Hügel in Angriff, es wäre doch gelacht, wenn sie nicht herunterkommen würde. Gedacht, getan, es kribbelte im Bauch, was für ein Gefühl, aber was machte der Schneeberg nur drunten, mitten im Weg und warum bitte, haben die Dinger keine Bremse? Hiiiiiiilfe!!! Das Glück war mal wieder mit den Dummen,der Fuß war nur verstaucht. Und hier, warm eingepackt, auf einer Liege auf der Sonnenterrasse, gefiel ihr der Urlaub entschieden besser. (204 Wörter).

💋💋 Ela

Der Mann mit den Zauberhänden (abcEtüde 12-18)

Die ABC etüden 12-18, wurden ins Leben gerufen von der lieben Christiane, heute mit einer Wortspende von Vro.

Die Regeln

Drei vorgegebene Worte in eine Geschichte von maximal 10 Sätzen einbetten.

18-03-21__ABCetüden_2018_12_2_zwei

Der Mann mit den Zauberhänden

Am liebsten würde sie schnurren vor Wohlgefühl, dieser Mann mit seinen Zauberhänden konnte alles mit ihr machen und nirgends war sie lieber als bei ihm, er war sanft und doch kraftvoll, er tat alles um ihr zu gefallen, schreckte aber auch vor sanfter Gewalt nicht zurück. Egal, ob er liebevoll über ihren Rücken strich, oder fast ekstatisch in ihrem Fleisch wühlte, sie, eine gestandene Frau von 55, wurde zum willenlosen Geschöpf. Wenn sie doch nur besser dieses Wohlgefühl beschreiben könnte, das er in ihr erzeugte, was erstaunlich war in seinen jungen Jahren, er war 25 und damit genauso alt, wie ihre Tochter. Von Frühjahrsmüdigkeit wurde sie in diesem Jahr völlig verschont und das hatte sie sich ihm zu verdanken, immer hatte er leise Musik an, so Sphärengesänge, die sie genau in die richtige Stimmung versetzten und hinterher fühlte sie sich gleich 10 Jahre, ach was, 20 Jahre jünger und platzte schier vor Unternehmungslust.

Ihr größte Sorge jedenfalls war, dass Felix weggehen könnte, wo sollte sie je wieder einen solch guten, ja einmaligen, Physiotherapeuten finden?

Liebste Grüße

Ela

Royal gesponnen (abc Etüden, KW 5/18)

Insgeheim bin ich, genau wie meine Mädels und meine Freundin S. ein Fan der Royals, besonders der britischen und folge ihnen mit Begeisterung auf Instagram. Ein bisschen peinlich finde ich das schon, trotzdem haben wir schon unsere Terminkalender am 18. Mai, dem Tag der Hochzeit von Meghan und Harry, freigeräumt. Daher dachte ich mir, ich spinne mal ein bisdchen royal.

Es gibt sich die Ehre …

Sina starrte auf die Einladung und frage sich, was um Himmels Willen wohl ein Krüglein ist, ein kleiner Krug (das wahrscheinlichste) oder ein kleiner Krüger (woher sollte sie den auf die Schnelle nehmen?) oder ist es etwas ganz anderes, wie etwa ein besonders guter Wein oder etwas anderes, dass man kennen müsste und sie mitbringen sollq?

Sie jedenfalls hatte keine Ahnung, und das wunderte sie nicht wirklich, hatte sie doch auch keinen blassen Schimmer, wie ausgerechnet sie zur Einladung zu der Hochzeit des Jahres kam, die vor ihr lag, von der Frage, was sie dazu anziehen sollte mal ganz abgesehen, unter Dresscode stand Black Tie, da sie sich nicht so recht mit `ner schwarzen Krawatte vorstellen konnte, hatte sie Frau Google gefragt und die hatte behauptet, damit sei Abendkleidung gemeint und nachdem sie ihren Kopf malträtiert hatte war ihr das schlüsselblumengelbe Kleid ein, das ihre Kusine Edda ihr großmütig geschenkt hatte, weil sie meinte, es wäre ein Fehlkauf gewesen.

Meghan, Harry, die Queen und sie Sina von Nichts, wie konnte das nur sein, vielleicht schnappten die sich ja die Telefonbücher der Welt und tippten auf einen Namen, aber sie stand gar nicht im Telefonbuch, klar fühlte sie sich geehrt und freute sich, war total hibbelig, aber befürchtete immer noch die nächste Karte auf der stand: „April, April!“, sie und Königs, das ging doch gar nicht, ihre Mama war alleinerziehende Büroangestellte, ihr Papa, wer weiß und sie selbst quälte sich durch das Lehramtsstudium.

Aber natürlich würde sie hingehen, hoffentlich gab es keine Suppe mit Graupen, die konnte sie auch Majestäten zuliebe nicht essen …, aber sowas prosaisches würde es wohl nicht gerade geben, wenn ein englischer Prinz und ein Hollywoodstar heirateten, wahrscheinlicher war ein Schaumsüppchen von Krebsschwänzchen oder so, wobei sie auch das unmöglich essen konnte..

Das Sina mal für Harry geschwärmt hatte, war wohl kein Grund, denn das war ihr Geheimnis, eher hätte sie sich ihre bürgerliche Zunge abgebissen, das wäre dann doch zu peinlich gewesen, gerade sie, die coole rote Lola, aber alles Grübeln half nicht, sie kam einfach nicht drauf.

Jetzt klingelte das Telefon und ihre Mama, ein ausgemachter Fan von allem Royalen, war dran, die es offensichtlich kaum abwarten konnte ihr etwas zu erzählen, sie habe kürzlich an einem Preisausschreiben der Zeitschrift Royality teilgenommen, vorgestern sei die Ziehung gewesen, der Hauptgewinn wäre eine Einladung zu Harrys Hochzeit gewesen (die Leidenschaft fürs Royale ist anscheinend erblich), sicherheitshalber, weil die sie unbedingt gewinnen müsse, habe sie auch in Sinas‘ Namen mitgemacht, denn das erhöhe ja die Chancen, aber es wäre doch klar, falls sie (Sina) eingeladen würde, käme natürlich sie (Mama) als Begleitung mit!

Das war es also, die Erklärung, dabei gewann Sina doch nie etwas, vor Begeisterung hüpfte sie am die Decke, schmiss das Telefon runter (arme Mama), konnte sich gar nicht mehr einkriegen, schließlich schrie sie ihrer Mama ins Ohr „Wir haben sie!“, woraufhin nun diese kreischte, hüpfte und sich nicht mehr einkriegte.

Wenig später hockten se beide bei einer Tassen English Breakfast Tea (Was sonst?) vor dem PC, ebay war geöffnet, sie schauten, wie sie ihre royalen Outfits noch ergänzen konnten und natürlich mussten sie einen aifregenden Hut tragen!

2018_05_2

Die Etüden

Heute mache ich wieder bei den abc Etüden mit, gehostet von Christiane.

Gestalterisch wird sie unterstützt von Herrn Textstaub, der uns jede Woche die schönen Grafiken schenkt und die abc Etüden ins Leben gerufen hat.

Die Regeln sind einfach, man schreibt unter Verwendung von drei vorgegebenen Wörtern in höchstens 10 Sätzen eine shortest Short Story.

Auch die Wortspenden kommen in dieser Woche von Elke H. Speidel, es sind die Begriffe:

  • Krüglein
  • schlüsselblumengelb
  • Graupen

Liebste Grüße

Ela

Steinernde Engel in den Raunächten (abcEtüde 1-18)

Das Geschlmperl ist vorbei und darum gibt es nun eine neue abcEtüde von mir, mehr zu den Etüden findet ihr untern.

Steinernde Engel in den Raunächten

Ein wenig dumpf, ja unheimlich, bedrohlich drang das Neujahrsläuten der nahen Kirche in die Ohren, Sophie überfielen die Schatten der steinernden Enge „Hilfe, kam da nicht einer näher, der war doch eben noch weiter weg?“, aber nein, was redete sie sich da nur ein, es konnte nur ihre Fantasie sein, die da mit ihr durchging.

Irgendwie hatte sie aber auch einen Knall oder sollte man es journalistischen Übereifer nennen, der sie mitten in der letzten Nacht des Jahres auf den Alten St.-Matthäus-Kirchhof, einen der berühmtesten Berliner Friedhöfe geführt hatte, weil hier in der Silvesternacht merkwürdige Dinge vor sich gehen sollten, hatte jedenfalls Tim, ihr Freund erzählt, der eigentlich sehr rational gestrickt war.

Es war eine der Raunächte (Wikipedia), die angeblich den Spalt zwischen dieser und der jenseitigen Welt ein wenig öffnen sollten, natürlich glaubte Sophie nicht an so einen Quatsch, aber es war eindeutig merkwürdig hier, ihr war heiß und kalt gleichzeitig, am Himmel sah man entfernt die bunten Feuerwerke, doch da, woher kam das Licht da vorne? Sophie lief ein eisiger Schauer über den Rücken, sie spürte wie sich ihre Haare am ganzen Körper aufrichteten, als sie meinte zwischen dem ganzen Geböller ganz nah ein leises Rascheln zu hören.

Welcher Teufel hatte sie aber auch geritten, ganz allein hierhin zu gehen, aber sie brauchte endlich DIE Story, hoffentlich war es nicht wie bei Doctor Who und die Engel erwachten und wuchsen langsam?

Als das kleine Licht immer immer näher kamen und Schritte lauter zu werden schienen, schloss Sophie die Augen, nein, das wollte sie nicht sehen, kaum drang die vertraute Stimme zu ihr durch, das heller werdende Licht drang durch die geschlossenen Lider.

Tim, ihr Freund, wie kam er hier her?

Langsam konnte sie Worte unterscheiden: „Du bist die mutigste Frau, die ich je getroffen habe, noch dazu die liebevollste, … ich werde dich noch lieben, wenn wir auch auf so einen Friedhof liegen und zu Staub zerfallen, möchtest du meine Frau werden?“. Vorsichtig blinzelte die ins Licht und in das bunte Feuerwerk, dass Herzen in den Himmel malte und fiel ihm um den Hals, sie wollte und wie, Ende gut, alles gut, sogar ihre Story bekam sie noch: Verlobung auf dem Friedhof um Mitternacht“.

Die  abcEtüden

2017 weihnachten neujahr 2 lz | 365tageasatzaday

Die Neujahrsschreibeinladung (Woche 1 von Christiane ist eine ganz besondere zu den abc-Etüden: Es gab diesmal eine große Auswahl aus Wörtern aus denen wir uns selbst drei aussuchen durften und in maximal 10 Sätzen zu einer Geschichte verarbeiten.

Ich habe mir ausgesucht:

  • Neujahrsläuten
  • Berliner
  • Raunächte

Liebste Grüße

Ela

Hurra, Ruth kommt zu Besuch (abcEtüden 48.17) #Ruthreist

Das die Geschichte langwierig werden würde, hatte sie sich schon gedacht, als sie in dem trockenen, mit spitzen Kieseln bestückten, aber wasserlosem Flussbett lag und ihren seltsam verdrehten Fuß betrachtete.

Allerdings hatte sie mit ein paar Wochen und nicht mit Monaten gerechnet, aber der Bruch war kompliziert und die Bänder auch hinüber bzw. gerissen, also hieß es Geduld haben, aber Miras Stärke war das nicht.

Mensch, das war aber auch langweilig, sämtliche Fernsehserien kannte sie, die meisten Bücher, die sie interessierten und auch andere, hatte sie gelesen, ihre Follower waren auch schon genervt von ihren unzähligen Posts und mit den Freundinnen gab es auch nicht mehr viel zu erzählen, sie erlebte ja nichts.

Vor lauter Frust hatte sie sogar angefangen zu klöppeln und fand das selbst zum Schießen, wenn das ihre alte Handarbeitslehrerin sehen könnte, die immer behauptete ihr Talent läge bei circa -1 und sie hatte Puppenjäckchen stricken lassen, während alle anderen eine Jacke für sich machten und es natürlich extrem lustig fanden, es ihr auch deutlich zeigten und sie damit aufzogen.

Aber zum Glück würde morgen Tante Ruth von ihrer Teneriffareise wiederkommen und sie gewiss mit vielen bunten Geschichten unterhalten, Tante Ruth war die erstaunlichste Frau, die sie kannte, jedenfalls seit einiger Zeit, genauer gesagt, seit Ruth aus China zurück war, vorher war sie eigentlich eine ganz normale, nette und warmherzige alte Dame gewesen, aber nun, die Wandlung ist unglaublich, so ziemlich alle ihre Klamotten hatte sie rausgeschmissen, hatte sich Jeans, glitzernde Gesundheitsschuhe, Hoodies, coole Oberteile in bunten Farben gekauft, war beim Friseur gewesen und trug jetzt selbstbewusst einen chicen Pixie, der ihr wahnsinnig gut stand.

Allein der Gedanke an Ruth heiterte sie auf, denn die war mit 85 nicht zu alt gewesen neu anzufangen, dagegen war sie doch echt ein junger Hüpfer mit ihren 56, da kam es doch gar nicht auf die paar Monate an und dann würde sie auch ganz viel ändern und nur noch auf sich hören, allein schon, weil sie dann nie wieder in so einem blöden Flußbett landen würde, denn nur wegen Thorstens Idee vom Urlaub in der reinen Natur, lag sie jetzt hier, dabei war der Urlaub genauso langweilig wie er gewesen.

Endlich war Ruth da, braungebrannt, weil sie braune Falten besser fand, als weiße, mit einem bunten Batikkleid das Urlaub und Süden schrie, sie hatte eine ganze Tasche Geschenke von Teneriffa dabei, sogar eine Flasche Sangria, original, im Schraubglas transportiert, leckeres Mandelgebäck, eine Papageienblume, eine tolle Spitzenbluse für sie und Aloevera-Gel für den Fuß, das beste aber waren die vielen lustigen Erlebnisse, von denen Ruth so bildhaft berichtete und besonders die Story ihrer erfolgreichen Verbrecherjagd, gleich ging es ihr, Mira, viel besser.

Noch viel besser ging es ihr jedoch, als Tante Ruth fragte, ob sie im nächsten Urlaub nicht mir ihr nach Kanada wolle, sie habe schon immer die Niagarafälle sehen wollen und außerdem, sei doch ihre Freundin Esther damals als Kind mit ihren Eltern nach Toronto ausgewandert, wer weiß, vielleicht lebt Esther ja auch noch und sie, Mira könne doch viel besser Englisch als Ruth.

Ohne zu zögern sagte sie zu und freute sich jetzt schon ein Loch in den Bauch, machte Pläne und recherchierte, vor allem nachdem sie sich besorgt erkundigt hatte, ob sich Ruth denn so eine teure Reise leisten könne, aber Ruth meinte, zu etwas hätte ihre Ehe mit dem lange verstorbenen und geizigen Alfred doch auch gut sein müssen, außerdem habe sie von der spanischen Polizei auch noch eine gute Belohnung bekommen.

***

Die abcEtüden

Schreibeinladung zu den abc-Etüden, von Christianes

Wortspende von Myriade

Illustration von Herrn lz.

Regeln: Drei vorgegebene Worte, maximal. 10 Sätze.

Ruth reist weiter … Hola Teneriffa (abc Etüden 47.17)

Die Reise nach China hat Ruth auf den Geschmack gebracht und so reist sie einfach weiter, warum sollte man auch nur weil man über 80 ist, sein Leben nicht noch ändern? Man ist vielleicht alt, aber definitiv auch lebendig.

Soll Ruth in Serie gehen?

Was meint ihr, möchtet ihr mehr über Ruth lesen? Mir ist die mutige und ermutigende Ruth ans Herz gewachsen und überlege in lockerem Folge Geschichten über ihre Reisen zu schreiben, mal in den abc Etüden, aber auch einfach so. #Ruthreist

Was ihr machen müsst um bei den tollen abc Etüden mitmachen zu können, findet ihr unten und ganz unten habe ich noch eine kleine Frage.

Ruth „Marple“ auf Teneriffa

Nun saß Ruth also auf dem Plaza del Charco trank eine Horchata und aß die dazu passenden krümeligen, aber sehr leckeren Mandelplätzchen, neben ihr rauschte der Springbrunnen mit der Bananenstaude in der Mitte, sie beobachtete die sonntäglich aufgerüschten spanischen Familien mit den süßen Kindern, die von hier zu Promenade flanierten.

Ihr Neffe allerdings war und blieb eine echte Pissnelke, was war er am Nörgeln und Sorge heucheln gewesen, als sie ihren Plan, den Winter auf Teneriffa, in Puerto de la Cruz, verbringen und dabei der Kälte zu entfliehen zu wollen, verkündet hatte, was ja für ihre alten und recht morschen Knochen nur gut sein konnte.

Elisabeths (Lissys‘) Enkelin hatte ihnen Puerto de la Cruz empfohlen, sie hatte während des Studiums hier als Animateurin gearbeitet und hatte von der tollen Natur geschwärmt, recht hatte sie gehabt, ihr Hotel war prima, das Essen gut, der Garten wunderschön, die Aussicht ein Traum und der Preis für drei Monate unschlagbar und sogar Lissy genoss es, trotz diverser Wehwehchen, hier zu sein.

20150921_152239.jpg

Heute morgen waren sie im Jardin Botanico, dem Botanischen Garten gewesen, was es da alles für Pflanzen gab: einen Leberwurstbaum, eine Würgefeige, wunderschöne Orchideen, Kaffee- und Kakaopflanzen, so ein paar Setzlinge hätte Ruth schon gerne für ihren Balkon mitgenommen, aber leider – sie verstand es ja – war das verboten, aber auch auf Morgen freuten sie und Lissy sich, sie würden auf den Mond fahren, nein, natürlich nicht wirklich, nur in den Teide-Nationalpark, der Teide ist nicht nur das Wahrzeichen von Teneriffa, sondern auch ein über 3.700 m hoher Berg, eigentlich ein aktiver Vulkan, der in einer einzigartigen Kraterlandschaft liegt, wo es tatsächlich aussieht, wie auf dem Mond.

Nur gestern, das war komisch gewesen, da wollte Elisabeth sich unbedingt, eine der Wohnungen ansehen, über die ihnen ein hübscher junger Mann, der tatsächlich mit ihnen beiden alten Schachteln geflirtet hatte, einen Flyer in die Hand gedrückt hatte, Lissy war der Ansicht, weil Teneriffa ja die Insel der Glückseeligen ist, sollte sie unbedingt oft kommen und dafür wäre es günstig eine Wohnung zu haben, Ruth war das Hotel viel lieber, Hausarbeit hatte sie in den 85 Jahren nun wirklich genug gemacht, aber Lissy zu liebe ging sie natürlich mit, aber irgendwas war da nicht koscher.

Die Wohnung bot einen großartigen Ausblick auf den Atlantik, war wunderschön und großzügig, alles war TipTop in Ordung und sollte nicht mal 100.000 € kosten, da musste es einen Haken geben, keiner verschenkte was und dieser Verkäufer gefiel ihr nicht, der war schleimig und erinnerte Ruth an ihren Neffen und wenn man Fragen hatte, schien er sie einfach völlig zu verdrehen, so dass er zwar was sagte, aber nicht wirklich ihre Fragen beantwortete, ihr Bauch sagte ihr, dass Lissy besser die Finger davon lassen sollte, aber die war so begeistert, dass sie schon fast die Anzahlung überwiesen hätte, nur gut, dass sie mal wieder was vergessen hatte, nämlich ihre Kontonummer.

Heute hatte Ruth dann mit der Lissys‘ Enkelin telefoniert, weil die Sache ihr keine Ruhe lies und die war total entsetzt, weil es eine ganz alte Masche ist, Touristen abzuzocken, man bekommt die wunderbar hergerichtete Musterwohnung zu sehen, hat aber am Ende eine Bruchbude erworben, in der sich nicht mal die Kakerlaken wohlfühlen und so hatte Ruth also recht gehabt und manchmal, ganz manchmal ist es sogar ganz gut, wenn das Oberstübchen sich mal nicht erinnert, wie bei Lissy gestern .

Ruth beschloss, damit kommen die Typen nicht durch, sie würde heute nochmal hingehen und dieses smarte Handy mitnehmen, dass ihr ihre Großnichte, die zum Glück nicht auf ihren Neffen kam, aufgequatscht hatte, weil man damit nicht nur telefonieren, sondern auch tolle Fotos und Videos machen kann und sogar als Diktiergerät kann man es nutzen, sie war ja schließlich nicht von gestern und so erklärte sie dem Verkäufer, sie habe sich in die Wohnung verliebt und müsse sie nochmal sehen, der wurde sofort ganz dienstbefliessen und Ruth nahm all seine Anpreisungen auf dem Smartphone auf, auch dass er sagte, natürlich würde sie genau diese Wohnung kaufen und keine andere und damit marschierte sie dann zur Policia, die ganz begeistert war, denn genau das war der Beweis, der gefehlt hatte um die Typen hinter Gitter zu bringen.

In den Nachrichten war sie dann doch tatsächlich auf dem Titelbild der Zeitung: 85-jährige deutsche Touristin bringt Betrügerbande zur Strecke, ein bisschen stolz war Ruth schon auf dich.

Die abc Etüden

Drei Worte in in maximal 10 Sätzen zu einer Geschichte verarbeiten. Einladung von der lieben Christiane . Grafiken und drei wirklich tolle Worte von Bettina und die wunderbare Grafik wie immer von ludwigzeidler.de

Die Worte:

Pissnelke
krümelig
verdrehen

Liebste Grüße

Ela

WM ist WM (abc Etüden)

Eigentlich war es ganz banal, ihr Chef war der Ansicht, wer für ihn schreiben will, muss über alles schreiben können und so hatte sich Marie letztendlich darauf eingelassen.

Genau deshalb saß sie jetzt hier in Hintertupfing und sollte übers Jodeln, genauer gesagt, die Jodel- und Schuhplattel-Weltmeisterschaft schreiben, davor grauste es ihr, denn es war nun mal so, alpenländische Volksmusik, verursachte ihr einen Brechreiz.

Was sie darüber schreiben sollte, keine Ahnung, außer etwas über eine junge Reporterin auf der Flucht, kurz kam ihr sogar die Idee sich vom Berg zu stürzen, aber nein, Marie war Profi und keiner konnte was für die vielen Bergurlaube und Wandertouren ihrer Kindheit, zu denen die Eltern sie quasi gezwungen hatten und natürlich hatte zu jedem der Urlaube ein Heimatabend gehört, für den sie, die Berliner Pflanze, ein Dirndl tragen musste.

Fast noch schlimmet fand sie damals, ihren Vater, der meinte er müsse in Lederhosen schuhplattln, oh Mann, was hatte sie sich geschämt, es war so oberpeinlich gewesen, wenn er dabei so seine Pirouette, hier: Rundtanz genannt, gedreht hatte.

Aber halt das war es, Marie hatte doch neulich in ihrem privaten Blog über die WM im Eiskunstlaufen geschrieben und WM ist WM, sie würde nur ein paar Namen und Begriffe austauschen müssen, alles ganz easy.

Dank zweier Maß und diverser kleiner leckerer ßelbstgebrannter, vielleicht auch dank Felix mit den ausgesprochen knackigen Beinen, wurde der Abend doch noch erträglich und Felix war so nett gewesen, ihr zu erklären worauf es ankam beim Plattln, da hatte sie selbst das Gejodle erstaunlich unbeschadet überstanden.

Leider war der Kater am nächsten Morgen auch nicht von schlechten Eltern gewesen, trotzdem musste sie schon mittags abgeben, Mist, also griff Marie den Plan vom gestern Abend wieder auf und schrieb den Blogpost um.

Leider war ihr Hirn wohl doch noch leicht benebelt gewesen, so dass ihr vor allem eine formidable Stilblüte gelang, mit der sie nun die gesamte Redaktion aufzog:

Besonders Sepp Hässlichmetzler zeige neben den klassischen Elementen, wie dem Plattln und Strampeln auch einen hervorragenden Dreifach-Axel.

Die abc Etüden

Eine neue Etüden-Woche mit wieder tollen Grafiken von Ludwig Zeidler, einer Einladung von Christiane und drei neuen Wörtern von Petra Schuseil vom wesentlichwerdenblog.wordpress.com, die da lauten: Stilblüte, banal, jodeln