abc Etüden

Der Mann mit den Zauberhänden (abcEtüde 12-18)

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Die ABC etüden 12-18, wurden ins Leben gerufen von der lieben Christiane, heute mit einer Wortspende von Vro.

Die Regeln

Drei vorgegebene Worte in eine Geschichte von maximal 10 Sätzen einbetten.

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Der Mann mit den Zauberhänden

Am liebsten würde sie schnurren vor Wohlgefühl, dieser Mann mit seinen Zauberhänden konnte alles mit ihr machen und nirgends war sie lieber als bei ihm, er war sanft und doch kraftvoll, er tat alles um ihr zu gefallen, schreckte aber auch vor sanfter Gewalt nicht zurück. Egal, ob er liebevoll über ihren Rücken strich, oder fast ekstatisch in ihrem Fleisch wühlte, sie, eine gestandene Frau von 55, wurde zum willenlosen Geschöpf. Wenn sie doch nur besser dieses Wohlgefühl beschreiben könnte, das er in ihr erzeugte, was erstaunlich war in seinen jungen Jahren, er war 25 und damit genauso alt, wie ihre Tochter. Von Frühjahrsmüdigkeit wurde sie in diesem Jahr völlig verschont und das hatte sie sich ihm zu verdanken, immer hatte er leise Musik an, so Sphärengesänge, die sie genau in die richtige Stimmung versetzten und hinterher fühlte sie sich gleich 10 Jahre, ach was, 20 Jahre jünger und platzte schier vor Unternehmungslust.

Ihr größte Sorge jedenfalls war, dass Felix weggehen könnte, wo sollte sie je wieder einen solch guten, ja einmaligen, Physiotherapeuten finden?

Liebste Grüße

Ela

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Royal gesponnen (abc Etüden, KW 5/18)

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Insgeheim bin ich, genau wie meine Mädels und meine Freundin S. ein Fan der Royals, besonders der britischen und folge ihnen mit Begeisterung auf Instagram. Ein bisschen peinlich finde ich das schon, trotzdem haben wir schon unsere Terminkalender am 18. Mai, dem Tag der Hochzeit von Meghan und Harry, freigeräumt. Daher dachte ich mir, ich spinne mal ein bisdchen royal.

Es gibt sich die Ehre …

Sina starrte auf die Einladung und frage sich, was um Himmels Willen wohl ein Krüglein ist, ein kleiner Krug (das wahrscheinlichste) oder ein kleiner Krüger (woher sollte sie den auf die Schnelle nehmen?) oder ist es etwas ganz anderes, wie etwa ein besonders guter Wein oder etwas anderes, dass man kennen müsste und sie mitbringen sollq?

Sie jedenfalls hatte keine Ahnung, und das wunderte sie nicht wirklich, hatte sie doch auch keinen blassen Schimmer, wie ausgerechnet sie zur Einladung zu der Hochzeit des Jahres kam, die vor ihr lag, von der Frage, was sie dazu anziehen sollte mal ganz abgesehen, unter Dresscode stand Black Tie, da sie sich nicht so recht mit `ner schwarzen Krawatte vorstellen konnte, hatte sie Frau Google gefragt und die hatte behauptet, damit sei Abendkleidung gemeint und nachdem sie ihren Kopf malträtiert hatte war ihr das schlüsselblumengelbe Kleid ein, das ihre Kusine Edda ihr großmütig geschenkt hatte, weil sie meinte, es wäre ein Fehlkauf gewesen.

Meghan, Harry, die Queen und sie Sina von Nichts, wie konnte das nur sein, vielleicht schnappten die sich ja die Telefonbücher der Welt und tippten auf einen Namen, aber sie stand gar nicht im Telefonbuch, klar fühlte sie sich geehrt und freute sich, war total hibbelig, aber befürchtete immer noch die nächste Karte auf der stand: „April, April!“, sie und Königs, das ging doch gar nicht, ihre Mama war alleinerziehende Büroangestellte, ihr Papa, wer weiß und sie selbst quälte sich durch das Lehramtsstudium.

Aber natürlich würde sie hingehen, hoffentlich gab es keine Suppe mit Graupen, die konnte sie auch Majestäten zuliebe nicht essen …, aber sowas prosaisches würde es wohl nicht gerade geben, wenn ein englischer Prinz und ein Hollywoodstar heirateten, wahrscheinlicher war ein Schaumsüppchen von Krebsschwänzchen oder so, wobei sie auch das unmöglich essen konnte..

Das Sina mal für Harry geschwärmt hatte, war wohl kein Grund, denn das war ihr Geheimnis, eher hätte sie sich ihre bürgerliche Zunge abgebissen, das wäre dann doch zu peinlich gewesen, gerade sie, die coole rote Lola, aber alles Grübeln half nicht, sie kam einfach nicht drauf.

Jetzt klingelte das Telefon und ihre Mama, ein ausgemachter Fan von allem Royalen, war dran, die es offensichtlich kaum abwarten konnte ihr etwas zu erzählen, sie habe kürzlich an einem Preisausschreiben der Zeitschrift Royality teilgenommen, vorgestern sei die Ziehung gewesen, der Hauptgewinn wäre eine Einladung zu Harrys Hochzeit gewesen (die Leidenschaft fürs Royale ist anscheinend erblich), sicherheitshalber, weil die sie unbedingt gewinnen müsse, habe sie auch in Sinas‘ Namen mitgemacht, denn das erhöhe ja die Chancen, aber es wäre doch klar, falls sie (Sina) eingeladen würde, käme natürlich sie (Mama) als Begleitung mit!

Das war es also, die Erklärung, dabei gewann Sina doch nie etwas, vor Begeisterung hüpfte sie am die Decke, schmiss das Telefon runter (arme Mama), konnte sich gar nicht mehr einkriegen, schließlich schrie sie ihrer Mama ins Ohr „Wir haben sie!“, woraufhin nun diese kreischte, hüpfte und sich nicht mehr einkriegte.

Wenig später hockten se beide bei einer Tassen English Breakfast Tea (Was sonst?) vor dem PC, ebay war geöffnet, sie schauten, wie sie ihre royalen Outfits noch ergänzen konnten und natürlich mussten sie einen aifregenden Hut tragen!

2018_05_2

Die Etüden

Heute mache ich wieder bei den abc Etüden mit, gehostet von Christiane.

Gestalterisch wird sie unterstützt von Herrn Textstaub, der uns jede Woche die schönen Grafiken schenkt und die abc Etüden ins Leben gerufen hat.

Die Regeln sind einfach, man schreibt unter Verwendung von drei vorgegebenen Wörtern in höchstens 10 Sätzen eine shortest Short Story.

Auch die Wortspenden kommen in dieser Woche von Elke H. Speidel, es sind die Begriffe:

  • Krüglein
  • schlüsselblumengelb
  • Graupen

Liebste Grüße

Ela

Steinernde Engel in den Raunächten (abcEtüde 1-18)

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Das Geschlmperl ist vorbei und darum gibt es nun eine neue abcEtüde von mir, mehr zu den Etüden findet ihr untern.

Steinernde Engel in den Raunächten

Ein wenig dumpf, ja unheimlich, bedrohlich drang das Neujahrsläuten der nahen Kirche in die Ohren, Sophie überfielen die Schatten der steinernden Enge „Hilfe, kam da nicht einer näher, der war doch eben noch weiter weg?“, aber nein, was redete sie sich da nur ein, es konnte nur ihre Fantasie sein, die da mit ihr durchging.

Irgendwie hatte sie aber auch einen Knall oder sollte man es journalistischen Übereifer nennen, der sie mitten in der letzten Nacht des Jahres auf den Alten St.-Matthäus-Kirchhof, einen der berühmtesten Berliner Friedhöfe geführt hatte, weil hier in der Silvesternacht merkwürdige Dinge vor sich gehen sollten, hatte jedenfalls Tim, ihr Freund erzählt, der eigentlich sehr rational gestrickt war.

Es war eine der Raunächte (Wikipedia), die angeblich den Spalt zwischen dieser und der jenseitigen Welt ein wenig öffnen sollten, natürlich glaubte Sophie nicht an so einen Quatsch, aber es war eindeutig merkwürdig hier, ihr war heiß und kalt gleichzeitig, am Himmel sah man entfernt die bunten Feuerwerke, doch da, woher kam das Licht da vorne? Sophie lief ein eisiger Schauer über den Rücken, sie spürte wie sich ihre Haare am ganzen Körper aufrichteten, als sie meinte zwischen dem ganzen Geböller ganz nah ein leises Rascheln zu hören.

Welcher Teufel hatte sie aber auch geritten, ganz allein hierhin zu gehen, aber sie brauchte endlich DIE Story, hoffentlich war es nicht wie bei Doctor Who und die Engel erwachten und wuchsen langsam?

Als das kleine Licht immer immer näher kamen und Schritte lauter zu werden schienen, schloss Sophie die Augen, nein, das wollte sie nicht sehen, kaum drang die vertraute Stimme zu ihr durch, das heller werdende Licht drang durch die geschlossenen Lider.

Tim, ihr Freund, wie kam er hier her?

Langsam konnte sie Worte unterscheiden: „Du bist die mutigste Frau, die ich je getroffen habe, noch dazu die liebevollste, … ich werde dich noch lieben, wenn wir auch auf so einen Friedhof liegen und zu Staub zerfallen, möchtest du meine Frau werden?“. Vorsichtig blinzelte die ins Licht und in das bunte Feuerwerk, dass Herzen in den Himmel malte und fiel ihm um den Hals, sie wollte und wie, Ende gut, alles gut, sogar ihre Story bekam sie noch: Verlobung auf dem Friedhof um Mitternacht“.

Die  abcEtüden

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Die Neujahrsschreibeinladung (Woche 1 von Christiane ist eine ganz besondere zu den abc-Etüden: Es gab diesmal eine große Auswahl aus Wörtern aus denen wir uns selbst drei aussuchen durften und in maximal 10 Sätzen zu einer Geschichte verarbeiten.

Ich habe mir ausgesucht:

  • Neujahrsläuten
  • Berliner
  • Raunächte

Liebste Grüße

Ela

Hurra, Ruth kommt zu Besuch (abcEtüden 48.17) #Ruthreist

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Das die Geschichte langwierig werden würde, hatte sie sich schon gedacht, als sie in dem trockenen, mit spitzen Kieseln bestückten, aber wasserlosem Flussbett lag und ihren seltsam verdrehten Fuß betrachtete.

Allerdings hatte sie mit ein paar Wochen und nicht mit Monaten gerechnet, aber der Bruch war kompliziert und die Bänder auch hinüber bzw. gerissen, also hieß es Geduld haben, aber Miras Stärke war das nicht.

Mensch, das war aber auch langweilig, sämtliche Fernsehserien kannte sie, die meisten Bücher, die sie interessierten und auch andere, hatte sie gelesen, ihre Follower waren auch schon genervt von ihren unzähligen Posts und mit den Freundinnen gab es auch nicht mehr viel zu erzählen, sie erlebte ja nichts.

Vor lauter Frust hatte sie sogar angefangen zu klöppeln und fand das selbst zum Schießen, wenn das ihre alte Handarbeitslehrerin sehen könnte, die immer behauptete ihr Talent läge bei circa -1 und sie hatte Puppenjäckchen stricken lassen, während alle anderen eine Jacke für sich machten und es natürlich extrem lustig fanden, es ihr auch deutlich zeigten und sie damit aufzogen.

Aber zum Glück würde morgen Tante Ruth von ihrer Teneriffareise wiederkommen und sie gewiss mit vielen bunten Geschichten unterhalten, Tante Ruth war die erstaunlichste Frau, die sie kannte, jedenfalls seit einiger Zeit, genauer gesagt, seit Ruth aus China zurück war, vorher war sie eigentlich eine ganz normale, nette und warmherzige alte Dame gewesen, aber nun, die Wandlung ist unglaublich, so ziemlich alle ihre Klamotten hatte sie rausgeschmissen, hatte sich Jeans, glitzernde Gesundheitsschuhe, Hoodies, coole Oberteile in bunten Farben gekauft, war beim Friseur gewesen und trug jetzt selbstbewusst einen chicen Pixie, der ihr wahnsinnig gut stand.

Allein der Gedanke an Ruth heiterte sie auf, denn die war mit 85 nicht zu alt gewesen neu anzufangen, dagegen war sie doch echt ein junger Hüpfer mit ihren 56, da kam es doch gar nicht auf die paar Monate an und dann würde sie auch ganz viel ändern und nur noch auf sich hören, allein schon, weil sie dann nie wieder in so einem blöden Flußbett landen würde, denn nur wegen Thorstens Idee vom Urlaub in der reinen Natur, lag sie jetzt hier, dabei war der Urlaub genauso langweilig wie er gewesen.

Endlich war Ruth da, braungebrannt, weil sie braune Falten besser fand, als weiße, mit einem bunten Batikkleid das Urlaub und Süden schrie, sie hatte eine ganze Tasche Geschenke von Teneriffa dabei, sogar eine Flasche Sangria, original, im Schraubglas transportiert, leckeres Mandelgebäck, eine Papageienblume, eine tolle Spitzenbluse für sie und Aloevera-Gel für den Fuß, das beste aber waren die vielen lustigen Erlebnisse, von denen Ruth so bildhaft berichtete und besonders die Story ihrer erfolgreichen Verbrecherjagd, gleich ging es ihr, Mira, viel besser.

Noch viel besser ging es ihr jedoch, als Tante Ruth fragte, ob sie im nächsten Urlaub nicht mir ihr nach Kanada wolle, sie habe schon immer die Niagarafälle sehen wollen und außerdem, sei doch ihre Freundin Esther damals als Kind mit ihren Eltern nach Toronto ausgewandert, wer weiß, vielleicht lebt Esther ja auch noch und sie, Mira könne doch viel besser Englisch als Ruth.

Ohne zu zögern sagte sie zu und freute sich jetzt schon ein Loch in den Bauch, machte Pläne und recherchierte, vor allem nachdem sie sich besorgt erkundigt hatte, ob sich Ruth denn so eine teure Reise leisten könne, aber Ruth meinte, zu etwas hätte ihre Ehe mit dem lange verstorbenen und geizigen Alfred doch auch gut sein müssen, außerdem habe sie von der spanischen Polizei auch noch eine gute Belohnung bekommen.

***

Die abcEtüden

Schreibeinladung zu den abc-Etüden, von Christianes

Wortspende von Myriade

Illustration von Herrn lz.

Regeln: Drei vorgegebene Worte, maximal. 10 Sätze.

Ruth reist weiter … Hola Teneriffa (abc Etüden 47.17)

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Die Reise nach China hat Ruth auf den Geschmack gebracht und so reist sie einfach weiter, warum sollte man auch nur weil man über 80 ist, sein Leben nicht noch ändern? Man ist vielleicht alt, aber definitiv auch lebendig.

Soll Ruth in Serie gehen?

Was meint ihr, möchtet ihr mehr über Ruth lesen? Mir ist die mutige und ermutigende Ruth ans Herz gewachsen und überlege in lockerem Folge Geschichten über ihre Reisen zu schreiben, mal in den abc Etüden, aber auch einfach so. #Ruthreist

Was ihr machen müsst um bei den tollen abc Etüden mitmachen zu können, findet ihr unten und ganz unten habe ich noch eine kleine Frage.

Ruth „Marple“ auf Teneriffa

Nun saß Ruth also auf dem Plaza del Charco trank eine Horchata und aß die dazu passenden krümeligen, aber sehr leckeren Mandelplätzchen, neben ihr rauschte der Springbrunnen mit der Bananenstaude in der Mitte, sie beobachtete die sonntäglich aufgerüschten spanischen Familien mit den süßen Kindern, die von hier zu Promenade flanierten.

Ihr Neffe allerdings war und blieb eine echte Pissnelke, was war er am Nörgeln und Sorge heucheln gewesen, als sie ihren Plan, den Winter auf Teneriffa, in Puerto de la Cruz, verbringen und dabei der Kälte zu entfliehen zu wollen, verkündet hatte, was ja für ihre alten und recht morschen Knochen nur gut sein konnte.

Elisabeths (Lissys‘) Enkelin hatte ihnen Puerto de la Cruz empfohlen, sie hatte während des Studiums hier als Animateurin gearbeitet und hatte von der tollen Natur geschwärmt, recht hatte sie gehabt, ihr Hotel war prima, das Essen gut, der Garten wunderschön, die Aussicht ein Traum und der Preis für drei Monate unschlagbar und sogar Lissy genoss es, trotz diverser Wehwehchen, hier zu sein.

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Heute morgen waren sie im Jardin Botanico, dem Botanischen Garten gewesen, was es da alles für Pflanzen gab: einen Leberwurstbaum, eine Würgefeige, wunderschöne Orchideen, Kaffee- und Kakaopflanzen, so ein paar Setzlinge hätte Ruth schon gerne für ihren Balkon mitgenommen, aber leider – sie verstand es ja – war das verboten, aber auch auf Morgen freuten sie und Lissy sich, sie würden auf den Mond fahren, nein, natürlich nicht wirklich, nur in den Teide-Nationalpark, der Teide ist nicht nur das Wahrzeichen von Teneriffa, sondern auch ein über 3.700 m hoher Berg, eigentlich ein aktiver Vulkan, der in einer einzigartigen Kraterlandschaft liegt, wo es tatsächlich aussieht, wie auf dem Mond.

Nur gestern, das war komisch gewesen, da wollte Elisabeth sich unbedingt, eine der Wohnungen ansehen, über die ihnen ein hübscher junger Mann, der tatsächlich mit ihnen beiden alten Schachteln geflirtet hatte, einen Flyer in die Hand gedrückt hatte, Lissy war der Ansicht, weil Teneriffa ja die Insel der Glückseeligen ist, sollte sie unbedingt oft kommen und dafür wäre es günstig eine Wohnung zu haben, Ruth war das Hotel viel lieber, Hausarbeit hatte sie in den 85 Jahren nun wirklich genug gemacht, aber Lissy zu liebe ging sie natürlich mit, aber irgendwas war da nicht koscher.

Die Wohnung bot einen großartigen Ausblick auf den Atlantik, war wunderschön und großzügig, alles war TipTop in Ordung und sollte nicht mal 100.000 € kosten, da musste es einen Haken geben, keiner verschenkte was und dieser Verkäufer gefiel ihr nicht, der war schleimig und erinnerte Ruth an ihren Neffen und wenn man Fragen hatte, schien er sie einfach völlig zu verdrehen, so dass er zwar was sagte, aber nicht wirklich ihre Fragen beantwortete, ihr Bauch sagte ihr, dass Lissy besser die Finger davon lassen sollte, aber die war so begeistert, dass sie schon fast die Anzahlung überwiesen hätte, nur gut, dass sie mal wieder was vergessen hatte, nämlich ihre Kontonummer.

Heute hatte Ruth dann mit der Lissys‘ Enkelin telefoniert, weil die Sache ihr keine Ruhe lies und die war total entsetzt, weil es eine ganz alte Masche ist, Touristen abzuzocken, man bekommt die wunderbar hergerichtete Musterwohnung zu sehen, hat aber am Ende eine Bruchbude erworben, in der sich nicht mal die Kakerlaken wohlfühlen und so hatte Ruth also recht gehabt und manchmal, ganz manchmal ist es sogar ganz gut, wenn das Oberstübchen sich mal nicht erinnert, wie bei Lissy gestern .

Ruth beschloss, damit kommen die Typen nicht durch, sie würde heute nochmal hingehen und dieses smarte Handy mitnehmen, dass ihr ihre Großnichte, die zum Glück nicht auf ihren Neffen kam, aufgequatscht hatte, weil man damit nicht nur telefonieren, sondern auch tolle Fotos und Videos machen kann und sogar als Diktiergerät kann man es nutzen, sie war ja schließlich nicht von gestern und so erklärte sie dem Verkäufer, sie habe sich in die Wohnung verliebt und müsse sie nochmal sehen, der wurde sofort ganz dienstbefliessen und Ruth nahm all seine Anpreisungen auf dem Smartphone auf, auch dass er sagte, natürlich würde sie genau diese Wohnung kaufen und keine andere und damit marschierte sie dann zur Policia, die ganz begeistert war, denn genau das war der Beweis, der gefehlt hatte um die Typen hinter Gitter zu bringen.

In den Nachrichten war sie dann doch tatsächlich auf dem Titelbild der Zeitung: 85-jährige deutsche Touristin bringt Betrügerbande zur Strecke, ein bisschen stolz war Ruth schon auf dich.

Die abc Etüden

Drei Worte in in maximal 10 Sätzen zu einer Geschichte verarbeiten. Einladung von der lieben Christiane . Grafiken und drei wirklich tolle Worte von Bettina und die wunderbare Grafik wie immer von ludwigzeidler.de

Die Worte:

Pissnelke
krümelig
verdrehen

Liebste Grüße

Ela

WM ist WM (abc Etüden)

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Eigentlich war es ganz banal, ihr Chef war der Ansicht, wer für ihn schreiben will, muss über alles schreiben können und so hatte sich Marie letztendlich darauf eingelassen.

Genau deshalb saß sie jetzt hier in Hintertupfing und sollte übers Jodeln, genauer gesagt, die Jodel- und Schuhplattel-Weltmeisterschaft schreiben, davor grauste es ihr, denn es war nun mal so, alpenländische Volksmusik, verursachte ihr einen Brechreiz.

Was sie darüber schreiben sollte, keine Ahnung, außer etwas über eine junge Reporterin auf der Flucht, kurz kam ihr sogar die Idee sich vom Berg zu stürzen, aber nein, Marie war Profi und keiner konnte was für die vielen Bergurlaube und Wandertouren ihrer Kindheit, zu denen die Eltern sie quasi gezwungen hatten und natürlich hatte zu jedem der Urlaube ein Heimatabend gehört, für den sie, die Berliner Pflanze, ein Dirndl tragen musste.

Fast noch schlimmet fand sie damals, ihren Vater, der meinte er müsse in Lederhosen schuhplattln, oh Mann, was hatte sie sich geschämt, es war so oberpeinlich gewesen, wenn er dabei so seine Pirouette, hier: Rundtanz genannt, gedreht hatte.

Aber halt das war es, Marie hatte doch neulich in ihrem privaten Blog über die WM im Eiskunstlaufen geschrieben und WM ist WM, sie würde nur ein paar Namen und Begriffe austauschen müssen, alles ganz easy.

Dank zweier Maß und diverser kleiner leckerer ßelbstgebrannter, vielleicht auch dank Felix mit den ausgesprochen knackigen Beinen, wurde der Abend doch noch erträglich und Felix war so nett gewesen, ihr zu erklären worauf es ankam beim Plattln, da hatte sie selbst das Gejodle erstaunlich unbeschadet überstanden.

Leider war der Kater am nächsten Morgen auch nicht von schlechten Eltern gewesen, trotzdem musste sie schon mittags abgeben, Mist, also griff Marie den Plan vom gestern Abend wieder auf und schrieb den Blogpost um.

Leider war ihr Hirn wohl doch noch leicht benebelt gewesen, so dass ihr vor allem eine formidable Stilblüte gelang, mit der sie nun die gesamte Redaktion aufzog:

Besonders Sepp Hässlichmetzler zeige neben den klassischen Elementen, wie dem Plattln und Strampeln auch einen hervorragenden Dreifach-Axel.

Die abc Etüden

Eine neue Etüden-Woche mit wieder tollen Grafiken von Ludwig Zeidler, einer Einladung von Christiane und drei neuen Wörtern von Petra Schuseil vom wesentlichwerdenblog.wordpress.com, die da lauten: Stilblüte, banal, jodeln

Ruths Reise (abc Etüden 45.17)

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Ruth grummelte vor sich hin, wie in den letzten Jahren immer häufiger: „Das ist nichts mehr für meine 85-jährigen Knochen, ich sollte zuhause in meinem Sessel sitzen“ und betrachtete gleichzeitig völlig fasziniert die fremde Lanschaft, die an ihr vorbeizufliegen schien und fand sich immer noch besser als Elisabeth, ihre Freundin, die neben ihr saß, ein junger Hüpfer von 75 war und ständig rumjammerte, dabei genoss sie – genau wie Ruth – eigentlich jede Sekunde dieser aufregenden und so unverhofften Reise.

Wer hätte aber aber auch gedacht, dass nach 70 Jahren ohne je etwas gewonnen zu haben, nun auf ihre alten Tage gleich eine Chinareise ihr Preis wäre und dass sie diese antreten würde hatte eh niemand geglaubt.

Aber warum eigentlich, nur weil sie alt war, was glaubten die eigentlich alle, sie hatte den zweiten Weltkrieg, die Nachkriegszeit, die Währungsreform, zwei Ehemänner und all die anderen Stürme des Lebens überstanden, da würde sich Ruth doch nicht vor einer kleinen Reise bangemachen lassen.

Außerdem hatte sie in erster Linie gewonnen, weil sie schon so alt war, denn außer ihr hatte bei der Eröffnung des schicken neuen Reisenüros nun mal keiner das Ahornblatt erkannt, manchmal musste man der Jugend eben doch zeigen, wo der Hammer ist.

Nun näherte sich der Bus mit ihrer Reisegruppe langsam dem heutigen Tagesziel, der Chinesischen Mauer, nachher würden sie da oben auf der Mauer lang spazieren, sie würden Fotos machen und hinterher im Shop Karten kaufen, Ruth sonnte sich im Gedanken an ihren sauertöpfischen und leicht bornierten Neffen, der mit aller Kraft versucht hatte ihr die Reise abzuschwatzen, angeblich, weil sie in ihrem Alter zu gefährlich sei, in Wirklichkeit natürlich, weil er meinte, sie würde ihm, dem jungen Mann, zustehen, neidisch war er und beim Gedanken an sein Gesicht, als sie gesagt hatte: „Sterben kann ich überall“, musste Ruth wirklich lachen.

Pustekuchen, dass ist ihre Reise und trotz ihres gelegentlichen Meckerns würde sie jede Sekunde genießen, was war China aber auch interessant, den Blick konnte man endlos schweifen lassen über die satt grünen Teeplantagen, dann die Märkte mit all den exotischen Düften und das wuselig bunte Treibe, die überaus freundlichen Menschen, die zu ihr alter Frau nochmal netter waren, Li ihre Reiseleiterin hatte gesagt, in China habe man große Hochachtung vor dem Alter, ja Ruth war glücklich hier zu sein.

Nur eine Sache gab es, die ihr nicht gefiel und das waren die vielen Insekten allerorts, ständig hatte Ruth das Gefühl, dass sie an ihr krabbeln, bäh, aber egal, nun wachte auch Elisabeth auf und sie richteten ihre Siebensachen und nahmen ein winzigen Schlückchen von diesem köstlichen Likör aus weißem Tee, die alten Knochen wollten ja schließlich geölt werden.

Die abc-Etüden

Die Regeln

Drei vorgegebene Wörter in maximal 10 Sätzen zu einer Geschichte verarbeiten.

Die Wörter

Ahornblatt
Chinareise
krabbeln

Liebste Grüße

Ela