Tag 232 – Die Perlenkette meines Lebens

Ursprünglich  habe ich diesen Beitrag im Mitmach-Blog zum Thema der Woche „Perle“ veröffentlicht.

Mir kommen  zwei, nein, eigentlich drei Dinge in den Kopf, wenn ich an Perlen denke. Da ist einmal die Perlenkette meiner Mutter, die neu aufgezogen werden muss, dann die Perle im Haushalt, die mir (leider) noch nicht vergönnt war und dann und darum soll es gehen, meine Erinnerungen, die sich in Gedanken aufreihen, wie die Perlen einer Kette. Ein paar sind darunter, die nicht so schön, aber dennoch wichtig und unverzichtbar sind.

Meine erste Perle, bezw. Erinnerung, ist auch gleich so eine, aber für meinen damals noch nicht dreijährigen Kopf war sie nicht tragisch sondern nur verwirrend verwirrend. Wir, meine ganze Familie (Mama, Oma, Opa, Onkel, Tante und ich) saßen vor dem Radio, d. h. ich saß in meiner Spielecke, was wir hörten, weiß ich nicht mehr, aber die Sendung wurde von der Meldung „Der amerikanische Präsident John F. Kennedy ist tot“ unterbrochen. Mir sagte das natürlich gar nichts, woher sollte ich auch wisser, wer Kennedy und was ein amerikanischer Präsident ist. Aber plötzlich stand meine eben noch fröhliche Familie unter Schock, sogar mein Opa und mein Onkel weinten (das taten Männer zu der Zeit noch nicht). Ich versuchte meine Mama zu fragen, aber sie schluchzte nur immer wieder Kennedy ist tot. 

Nicht viel älter war ich bei meiner  nächsten Perle, einer sehr schönen, ich besuchte mit meiner Oma meine Mama im Schwarzwald (sie arbeitete damals in Saison) und stand mit ihr auf einer kelienen Holzbrücke und wir beide fütterten bunte, schillernde Fische, dass war für mich mit drei oder vier sehr besonders. Diese Erinnerung ist um so kostbarer, da bis auf die eine, die Erinnerungen an meine Oma nach ihrem grausamen Krebstod, als ich knapp acht war, anscheinend einfach von meiner Festplatte gelöscht wurden.

Noch eine Kindheitsperle gehört meinem Großvater, den ich heiß und innig geliebt habe, ich war 13 und wünschte mir mein neues Zimmer im Hippie-Stil. Leider hielt meine Mum gar nichts davon, war (und ist sie) doch die Queen des Einrichtens. Doch mein Opa schenkte mir zum 13ten Geburtstag ein neues Zimmer, heimlich gingen wir zwei los und kauften für mich grasgrüne Möbel und knallrote Tapeten, wir tapezierten noch am gleichen Nachmittag. Wenn ich an das Gesicht meiner Mutter denke, muss ich heute noch lachen, aber ich hatte mein Traumzimmer und den besten Opa auf der ganzen Welt.

Darum gehört eine der schwarzen Perlen auch seinem Tod als ich 16 war, ich lag damals im Krankenhaus, hatte gerade ein paar Tage zuvor meine große OP gehabt, als meine Mutter mir diese furchtbare Nachricht überbringen musste. Es war schrecklich, war er doch mehr mein großVater, als mein wirklicher Vater je war. Noch heute träume ich manchmal, alles wäre ein Traum gewesen und Opa lebe noch.

Eine eher lustig bunte Perle gehört meinem ersten Kuss. Ich gab eine Faschingsparty und hatte ein paar gute Freunde eingeladen (Mama hatte Spätdienst). Meine ganze Erinnerung ist bunt, vermutlich wegen der Kostüme und weil es sehr lustig war. Ich war damals 17 und hatte eine Sangria (mit wenig Alkohol) für uns gemacht. Na ja, es war auch keiner betrunken, aber wir waren jung und ausgelassen. Und irgendwann kam es dann zu diesem Ereignis, mein eigentlich bester Freund küsste mich. Um ehrlich zu sein, es sang nicht ein einziger Engel im Himmel, eher fand ich das ganze etwas feucht und glitschig, kein einziger Schmetterling war in Sicht. Ich glaube R. ging es ähnlich, aus diesem Grund wurde auch keine Beziehung daraus und wir beid vergaßen den Kuss lieber schnell. Das war auch gut so, denn gar nicht so viel später, entdeckte R., dass ihn eher Jungen interessieren, aber uns verband über viele Jahre eine sehr tolle Freundschaft.

Die Perle mit den Fanfaren kam später, mit 18 (ich war ein Spätzünder) hatte ich meinen ersten richtigen Freund., er war toll, groß, stark, sah toll aus und war sehr lieb.  Vor lauter Glück schwebte ich über dem Boden und da sangen wirklich alle Engel Halleluljah. So ein Gefühl habe ich tatsächlich nur einmal erlebt, diese Unbeschwertheit der ersten Liebe und die (vermeintliche) Gewissheit, sie hält ewig. Leiderkam es anders, aber unsere gemeinsamen Jahre waren wunderbar.Der Schmerz nach der Trennung ist allerdings wieder eine sehr düstere Perle, ich habe gelitten wie ein Hund, so schlimm war es glücklicherweise auch nie wieder.

Eine weiter schöne, dicke weiße Perle, war der Moment, als ich im Frühjahr 1091 das erste Mal mit meiner Mutter in Sanssouci war, wir am Grab Friedrich des Großen standen, uns über die Kartoffeln darauf amüsierten und eine russische Militäreinheit wenig später dort Abschiedsfotos machte. Ich war damals im Aufbau Ost beschäftigt und konnte manchmal selbst nicht fassen, dass ich gerade Geschichte zum Anfassen erlebte.

Die größte und wunderschönste Perle  aber gehört einem  ganz besonderen Moment dem frühen Morgen nach der Geburt meiner Tochter, als da dieses kleine nicht sehr hübsche Geschöpfchen mit den drei roten Haaren in meinen Armen lag und ich schier platzte vor Glück.

Eine kleine hellblaue Perle gehöt der Einnerung an Mausis erste Ballettaufführung, sie war gerade drei und es war eine Ehre, dass sie mitmachen durfte. Das Ereignis fand in einem großen Kinosaal statt, der voll besetzt war. Unter anderem mussten die Kleinen Blumen darstellen, J war ein Butterblümchen. Am Ende des Tanzes mussten die Mini-Ballerinen in einer langen Reihe in so einem Kreuzschritt Hand-in-Hand von der Bühne. Meine Kleine – ich sah ihren suchenden Blick – hielt nach uns Ausschau. Dabei verlor sie den Kontakt zu den anderen, der große Butterblumenhut kam ins rutschen und schon saß mein Kind auf dem Popo. Immer noch mit suchendem Blick, dann ging ein Strahlen über Gesichtchen, sie hatte mich entdeckt, stand wieder auf winkte mit beiden Händen und rief laut und für alle vernehmlich: Hallo Mama, war ich gut? Das ganze Kino brüllte vor Lachen und Kind freute sich. Mama hingegen saß mit rotem Kopf im Publikum.

An meiner Kette sind noch viele Reiseperlen … aber dazu wird es noch einen zweiten Artikel geben-

Schließen möchte ich für heute mit einem wunderbaren Zitat von Jean Paul:

Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann.

Tag 208 – Ich erinnere mich gerne an meinWinterwunderland …

Ursprünglich  habe ich diesen Beitrag im Mitmach-Blog veröffentlicht.

Ein paar Jahre lebte ich in ihm, in meinem Winterwunderland, da wo mein Herz sich heimisch fühlte, da wo ich sein wollte. Ich bin ein Winterkind und ich liebe den Winter und den Schnee. Gäbe es den leidigen Mamon nicht, wäre ich wohl noch immer da.

Wie sehr habe ich sie doch geliebt die ersten weißen Flocken, die sich ganz sacht und nur zu einer kurzen Stippvisite in meinem Garten niederließen. Meistens war das im November, einige mehr waren es dann schon im Dezember,  um dann sehr zum Verdruß der Touristen pünktlich zu Weihnachten verschwunden zu sein.

So um Silvester ging es dann aber richtig los, es schneite und schneite und … bis meine ganze Welt weiß war, die Bäume waren schwer von der weißen Pracht, morgens hinterließ ich Spuren, war ich doch die erste, die die das Weiß im Vorgarten durchquerte. Die Häuser sahen aus als trügen sie dicke weiße Mützen und irgendwie schien der Alltag weit entfernt, obwohl mein Büro gerade mmal zehn Minuten entfernt war.Wenn dann noch die Sonne aus dem kristallklaren Blau des Himmels strahlte und die weiß verschneiten Berge in ihr Licht tauchte war es perfekt mein Winterwunderland. Manchmal war es soviel Schnee, dass große LKWs kommmen mussten, um unseren Ort zu befreien, aber meiszens hörte man mehr die weißen Glöckchen der Pferdeschliiten, die mit fröhlichen Menschen ihre Bahnen durch die Winterweld zogen.

Noch heute kann ich es manchmal sehen und riechen, wenn ich die Augen fest schließe. Ja ich vermisse diese Tage, wenn die Welt so neu und rein  erscheint und man nur für einen kleinen Moment glauben darf, sie ist es.

Liebste Grüße

Ela

Tag 172 -Sing Hallelujah, Papa

Diesen Beitrag habe ich ursprünglich im Mitmach-Blog veröffentlicht.

 Wenn ich dieses Lied höre, muss ich an meinen Vater, der vor 20 Jahren starb, denken, an ihn und unsere Geschichte.

Ich hatte ihn als Kind nur sehr selten getroffen, da sich meine Eltern schon vor meiner Geburt getrennt hatten. Tatsächlich war ich auch nicht wirklich traurig darüber, mein Vater  war sehr groß, sehr breit, ziemlich laut und und ein Choleriker vor dem Herrn. Er liebte Witze auf Kosten anderer, wie ich selbst leidvoll erfuhr. 

Trotzdem hat er mich wohl auf seine Art geliebt, ich hingegen weiß es bis heute nicht, vor allem hatte ich Angst vor dem mir so fremden Mann.  Genau das war er für mich, da wir zwischen meinem achten und achzehnten Lebensjahr keinen Kontakt hatten, meine Eltern hatten sich zerstritten. Eine Vaterfigur brauchte ich auch nicht, ich hatte mit meinem Opa und meinem kinderlosen Onkel gleich zwei davon und noch dazu richtig tolle.

Ich habe oft gedacht, bei null Kontakt hätte ich es lassen sollen. Ich liebte ihn sicherlich auch so irgendwie, aber mögen? Nein! Bewundert habe ich ihn dafür, dass er sich immer traute ganz und total er selbst zu sein. Aber mit der Zeit und vor allem  mit der Geburt seiner Enkeltochter, die er abgöttisch liebte, wurde unser Verhältnis dann entspannter.

Die Kleine wickelte ihn vom ersten Moment um den Finger und dieser poltrige Kerl behandelte sie wie ein rohes  Ei. Auch meine Tochter fand ihren Opa Willi und seinen kleinen Privatzoo toll, seine Tiere waren sein ein und alles. Am liebsten ging sie ganz früh morgens mit ihm zu den Hühnetn, Eier einsammeln. Ich sehe es noch vor mir, den Bär von einem Mann und das kleine Pusselchen mit Gummistiefeln beide in trauter Eintracht.

Leider war den Zweien nur eine kurze gemeinsame Zeit vergönnt, mit nur 62 Jahren starb mein Vater an den Folgen eines Schlaganfalls und wohl an seiner Art zu leben.

Auf einmal musste ich, als nächste Angehötige, seine Beerdigung organisieren und alle quatschten auf mich ein, mach dies, mach jenes:“Das gehört sich so!“. Mitte der 90iger war man noch viel konservativer als heute. Aber mein Vater hat Zeit seines Lebens darauf gepfiffen, was andere von ihm denken. Daran habe ich mich orientiert und eine Beisetzung organisiert, die zu ihm gepasst und die er gemocht hätte. Bunte Kleidung war erwünscht, der Pfarrer fiel aus, sein bester Freund „Lord Uli“ sang für ihn Poor Boy und zum Abschluss den absoluten Lieblingssong meines Dads Sing Hallelujah. Einen Leichenschmaus gab es nicht, aber abends trafen sich „seine“ Menschen in der Lieblingsbar und erzählten von ihren Erlebnissen mit meinem Vater und dazu wurden all seine liebsten Lieder gespielt, so auch wieder Sing Hallelujah, wir feierten sein zu kurzes, aber spannendes Leben. Ob ich richtig hörte, als ich plötzlich ein kleines zufriedendenes Lachen hörte, das von sehr weit her zu kommen schien?

Bis heute kann ich das Wort Hallelujah nicht hören ohne an Papa zu denken und irgendwie war es schon cool, dass gerade ich die Tochter von diesem sehr speziellen, unangepasstem Mann sein durfte.

Tag 141 – Abschied und Erinnerung 

Hallo, liebster Freund,

fünf Jahre sind vergangen und an manchem Tag bin ich immer noch versucht durchzurufen und überzeugt, dann deine Stimme zu hören, die – wie sie es immer getan hat- sagt: „Hallöchen, hier ist der Norbert“.

Aber ich werde sie nie wieder hören, seit fünf Jahren muss ich nun schon ohne dich, meinen Seelenverwandten, einen meiner Lieblingsmenschen, leben. Manchmal bin ich sauwütend, weil du dir damals nicht mal eine Chance gegeben hast. Was hätten dich ein paar Wochen, ein paar Monate schon gekostet? Ich weiß, der Tod von deinem Ralf hatte dich völlig aus der Bahn geworfen und doch wäre es irgendwie weitergegangen, da wäre neuer Lebensmut gewesen und alles andere hätte man regeln können.

Du lebst weiter in meinem Herzen mein allerbester Freund, ich bin dankbar einen Menschen wie dich und auch Ralf in meinem Leben gehabt zu haben. Ich vermisse deinen Rat, deinen Großmut und das Lachen mit dir. Was würde ich jetzt geben, für eine Stunde Ratschen mit dir.

Vielleicht irgendwann, dann stehst du da am Tor zur sanderen Seite, schaust mich an, zwinkerst und sagst: „Hallöchen, hier ist er wieder, der Norbert„.

Bis dahin mein Freund, rock den Himmel und grüß mir den Ralf

deine Ela

 

 

 

 

Tag 131 – Teddybär

Auch der Sonntag gehörte dem (aus)sortieren, dran war heute Töchterchens Zimmer. Als solches war es eine wahre Schatzgrube, hat sie in ihm doch die Kinderschuhe abgestreift und ist zur erwachsenen, jungen Frau, die sie heute ist, herangereift.

Unter all den Schätzchen auch ihr alter, riesiger Teddy, der zur Disposition stand.

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Tag 124 – Wo ist (meine) #Heimat?

Gerade habe ich eine spannende Blogparade  von tellyventure zum Thema „Meine Heimat“ bzw. „Was bedeutet Heimat für mich?“ entdeckt und sofort fing mein Hirn an zu rattern. Da sollte ich doch vielleicht mitmachen, denn genau dieser Gedanke hat mich schon häufig beschäftigt .

„Meine Heimat“, kein einfaches Thema für mich.

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Tag 104 – Loslassen

Schick ihm Licht, schick ihm Liebe und dann lass los (Eat, Pray and Love)

Ich schicke  dir Licht, ich schicke dir Liebe und ich … gebe mir Mühe

Urlaubstag 7 (Tag 93) – Niendorf, Erinnerung an ..

Wir haben uns heute aufgemacht zum Cafe Wolkenlos (Timmendorfer Strand), untergebracht in einem vom japanischen Stil geküssten, Tempel im Meer. Das Essen war eher mittelmäßig und ziemlich teuer, aber der Ort ist ein Traum und daher war der Aufenthalt jeden Cent wert.

(c)copyright 365tageimleben, 2016

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Von dort sind wir weitergelaufen bis nach Niendorf. Niendorf hat einen schönen Hafen, viele Fischräuchereien und eine lange Promenade. 

(c)copyright 365tageimleben, 2016
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Aber für mich ist der Ort hauptsächlich eine lustige Erinnerung:

Es war einmal ein Mädchen, 13 Jahre jung und ein bisschen eitel. Darum trug es seine Brille auch nur selten. Natürlich auch nicht an einem Sommertag 1974, als es zusammen mit seiner Mama völlig k.o. das Haus des Gastes in letzter Minute erreichte. Es fand nämlich an diesem schönen Sommertag das Endspiel der Fußball-WM 74 statt. Es spielten Deutschland gegen die Niederlande. Das Mädchen und seine Mutter bekamen nur noch Plätze gaaaanz hinten. Natürlich konnte sie von dahinten ohne Brille nichts im Röhrenfernseher erkennen und so jubelte sie ständig für die Falschen und wäre fast gelyncht worden. Aber zum Glück gewann ja Deutschland und das Mädchen überlebte 😉

Ihr ahnt es, das Mädchen war ich und das war der Ort des Geschehens:

(c)copyright 365tageimleben, 2016

So langsam macht sich trotz des warmen Wetters der Herbst bemerkbar, die Tage werden kürzer, die Abende kühler und die Äpfel sind reif.

(c)copyright 365tageimleben, 2016

Bis bald

eure 

Ela

Tag 50 – Ist Liebe unendlich?

Ich meine nicht die Liebe zum Kind, die zu den Eltern, Großeltern, der Familie sondern die zwischen Mann und Frau oder auch zwischen Frau und Frau, Mann und Mann. Mir ist heute Früh etwas Seltsames passiert, meine älteste Freundin schickte mir ein Foto von meiner ersten großen Liebe (sie ist mit ihm verwandt) von ihm und seinen Kindern, anlässlich eines Schulabschlusses und irgendwie hat dieses Foto meine Seele berührt und das nicht nur, weil er immer noch toll aussieht.

In meinem (bisherigen) Leben gab es wenige Lieben und ein paar Liebeleien, die nicht auf Dauer angelegt waren. Wenn ich liebe, dann sehr und mit ganzem Herzen. Meine Lieben haben nicht gehalten und ich habe sehr gelitten. Auch damals … darum habe ich vor einiger Zeit beschlossen: „Nun ist Schluss, ich will nie wieder so leiden“,  irgendwie scheine ich wohl nicht für eine dauerhafte Beziehung gemacht zu sein. Sonst wäre es ja mal gut gegangen und hätte gehalten. Aber ich bereue nichts, haben sie mir unendlich schöne Momente und  den größten Schatz meines Lebens geschenkt, meine Tochter.

Diese erste große Liebe, der erste Mann ist wohl immer besonders und unvergesslich. Jung und naiv glaubt man, soviel Gefühl könne nur für die Ewigkeit sein, unendliches Vertrauen und der Glauben an die Güte des Schicksals begleiten sie. So auch bei mir, aber es sollte anders kommen, unsere Liebe hatte in der Schule begonnen. Ein paar Monate nach dem Abitur zogen wir beide in unterschiedliche Städte zum Studieren. Dort fand er erst eine andere und dann war ich zu stolz ihn zurückzunehmen.Wirklich zusammengepasst haben wir wohl nie, er der totale Kopf- und ich der absolute Bauchmensch. Ich erinnere mich an unsere erste gemeinsame Reise, zusammen schauten wir der untergehenden Sonne und dem aufsteigenden Mond und den Sternen zu. Ich fand das unendlich romantisch und sagte ihm das auch, woraufhin er mir erklärte, wie ein Stern zusammengesetzt ist.

Mehr als 30 Jahre vergingen, jeder von uns lebte sein Leben, er heiratete, bekam zwei Kinder, ließ sich scheiden, zog mit einer neuen Frau zusammen und trennte sich wieder. Bei mir hat es lange gedauert, Jahre, bis ich meine Trauer überwunden hatte, aber dann war ich auch wieder offen für die Liebe, lernte den Vater meiner Tochter kennen, wir gingen eine Teil unseres Weges zusammen, trennten uns, weil uns mehr trennte, als verband. Jahre später begegnete mir die Liebe dann noch einmal, aber auch diesmal war ihr keine Dauer vergönnt. In all diesen Jahren hörte ich nur über meine Freundin sporadisch von O. (nennen wir ihn so), immer wieder gab es die Momente: „Was wäre wenn?“ Aber die waren nie mehr als ein flüchtiger Atemhauch.

Vor ein paar Jahren sollte es dann einen Jahrgangstreffen meiner Abi-Klasse geben, Adressen wurden ausgetauscht und dabei flatterte mir auch die Freundschaftsanfrage von O. ins Haus. Natürlich nahm ich sie an, wir tauschten Neuigkeiten aus und über die Zeit entstand ein freundschaftlicher Austausch, mehr nicht. Das geplante Treffen fand nie statt, aber wir, O. und ich trafen uns, als ich nicht weit von seiner neuen Heimat zu tun hatte. Ich war ganz schön aufgeregt, aber irgendwie war O. mir gar nicht fremd. Trotzdem  stellte ich fest, wir haben nicht viel gemeinsam. Dabei ist er ohne Frage sehr nett, sehr lieb, aber über seinen Rosenkrieg war er noch lange nicht weg. Den ganzen Abend redete er über Sicherheitsgurte und seine gescheiterte Ehe, aber vielleicht war er ja auch aufgeregt? Trotzdem gab es an diesem Abend so einen kleinen magischen Moment, ganz am Ende als er mich zum Abschied in den Arm nahm, da war etwas …

Hat er ihn auch gespürt? Ich weiß es nicht, vermutlich eher nicht, nach und nach wurde der Kontakt weniger. Dann passierte im letzten Jahr etwas merkwürdiges, an einem Tag im August rief mich meine Freundin an und erzählte O. und sein Sohn wären da und O. wolle mich unbedingt besuchen. Schon am nächsten Tag trafen wir alle uns, ich nahm meine Tochter mit, meine Freundin, ihr Mann, O. und sein Sohn. Es waren wunderschöne Stunden, leicht und unbeschwert. Da war etwas zwischen uns, zweifellos. Danach schrieb O. mir für eine Zeit jeden Tag, es wurde intensiver und dann plötzlich nichts mehr, von heute auf Morgen . Warum habe ich nie erfahren. Ich war etwas verwundert und klein wenig traurig, obwohl das Kapitel ja eigentlich für mich abgeschlossen war und auch nie mehr die Rede von Liebe war. Dlangsam senkte sich langsam gnädiges Vergessen über die Geschichte. Außerdem und eigentlich hätte eine neue, alte Liebe eh nicht in mein Leben gepasst.

Nach einiger Zeit habe ich kaum noch dran gedacht, bis zu diesem Foto heute Früh. Es hat mich nachdenken lassen, über die Liebe, die Männer in meinem Leben. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass Liebe niemals stirbt, dass irgendetwas für immer bleibt? Oder ist es so, dass mich die verpassten Möglichkeiten traurig machen oder ist es die Wehmut über eine Zeit die vergangen ist?

Bis morgen
eure

Ela

Gedanke des Tages:

Was wäre wenn?

 

Zitat des Tages:

Denn die Liebe ist ein Chamäleon. Immer wieder zeigt sie eine andere Farbe. Und manchmal sagt sie: Ich gehe!, aber sie geht nicht. [Ahmad Ghazzali (1058-1111)]

Foto des Tages

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@365tageimleben, 2016

Tag 41 + 42 – Nostalgie in Bad Harzburg und nach Hause

Warum Nostalgie? Das fragt ihr euch bestimmt. Ich bin gebürtige Niedersächsin (nicht so weit vom Harz weg), daher gingen die Tagesausflüge meiner Kindheit entweder nach Hannover oder in den Harz. Bad Harzburg war da die erste Wahl und als einziges Kind in der Familie war ich oft dort, nahmen mich sowohl meine Großeltern als auch Tante und Onkel gerne mit. Am meisten liebte ich jedoch die Ausflüge mit meiner Mutter, weil wir uns dann immer einen „richtig schönen Tag“ machten, wo wir ein für die damalige Zeit großzügiges Tagesbudget zur Verfügung hatten. Unsere Touren waren sozusagen ritualisiert, hatten einen fast festen Ablauf  und machten mir immer riesigen Spaß.

Jetzt war ja meine Tochter dabei und so wollten wir solch einen „schönen Tag“ „Tag 41 + 42 – Nostalgie in Bad Harzburg und nach Hause“ weiterlesen