Huch, wo ist sie denn?

Es ist schon komisch, wie zwei Stunden Büro die eigene Zeiteinteilung und das Leben verändern. Ich hätte auch nie gedacht, dass mich das anstrengt, denn eigentlich ist es doch kaum mehr als nichts.

Aber da hängt  ja mehr dran, der Wecker klingelt wieder, ich muss mich anders kleiden, der Weg dauert auch seine Zeit. Am stressigsten empfinde ich allerdings die Reizüberflutung und das mich begleitende Gefühl im falschen Film zu sein. Jeder erzählt mir was, täglich spreche ich mit vielen Leuten und oft denke ich (noch): Und was interessiert mich das? Irgendwie ist in mir immer noch die Lässigkeit der Zeit zu Hause und auch der Gedanke: Bleibt doch mal ruhig, davon geht die Welt nicht unter, es gibt wichtigeres! Vermutlich bin ich immer noch im falschen Modus.

Ganz lustig finde ich, dass mir das Gefühl für Hirachien wohl abhanden gekommen ist, na ja bei uns Daheim gibt es die auch nicht. Vielleicht sehe ich gerade dabei aber auch manche Absurdität klarer. So wurde es als Meldung empfunden, dass ich mich mit einer neuen Mitarbeiterin duze (ich kenne sie seit fast 20 Jahren), weil sich nun zwei andere durch das Duzen mit mir nicht mehr privilegiert fühlen können Habe die Ehre ;). Am liebsten hätte ich gesagt: Hey, ruhig bleiben, ich bin NICHT die Queen. Aber auch andersrum habe ich noch eine Fehlfunktion, mir fehlt es an Respekt. Wenn mein Kollege sagt: Der Chef erwartet, … erzittere ich nicht. Oder sehe ich vielleicht nur klarer?

Gestern hatte ich nun die Gelegenheit mit einem Kollegen zu sprechen, der im Hamburger Modell ganz ähnliche Erfahrungen gemacht hat und mir versichert hat, dass ich irgendwann wieder wirklich ankomme. Aber will ich das?
Auf jeden Fall genieße ich das späte Anfangen, dass es mir schon morgens ermöglicht, ein Stück durch den Tiergarten zu laufen. Ich habe ja Zeit. 

Nun kennt  ihr auch den Grund, warum ich hier zur Zeit eine kleine Pause eingelegt hatte. Das musste mal sein …

Liebste Grüße 

Ela

Tag 54 – Schöne neue Arbeitswelt?

Wenn ich mich durchs Internet klicke, lese ich immer wieder von der schönen, neuen Welt des Arbeitsalltags. Freie Einteilung der Arbeitszeit, aufgabenorientierte Zeiteinteilung, Selbstbestimmung, …

Im Alltag scheint das noch nicht angekommen zu sein, weder irgendeiner meiner Bekannten (außer er ist sein eigener Chef) kann so arbeiten und ich schon gar nicht. Noch immer gilt der Acht-Stunden-Tag, die 30 Minuten Mittagspause sowie 30 Tage Urlaub (manchmal auch weniger). Merkwürdig nur, die Flexibilität zu Gunsten der Arbeitgeber ist selten ein Problem. Mein Boss jedenfalls hat sich noch nie beschwert, wenn ich statt meiner bezahlten 35, 50 Stunden gearbeitet habe und ich durfte sie ja auch „abbummeln“.  Wobei dabei ist die Flexibilität dann schon wieder so eine Sache und funktioniert nur, wenn es (ihm) passt.

Wäre eine Öffnung in beide Richtungen nicht sehr viel sinnvoller? Manchmal frage ich mich schon, warum ich mir an Tagen, wo rein gar nichts los ist, den Popo platt sitzen soll und an anderen, wo die Hütte dampft, bloß nicht die erlaubten 40 Stunden Mehrarbeit überschreiten darf? Da gibt es doch genügend Ideen, wie das Jahresarbeitszeitkonto oder aber auch die Aufgabenorientierung, das Home-Office, im Grunde ist es doch nur wichtig, dass der Job erledigt wird. Manche Dinge könnte ich auch genauso gut oder besser (weil mehr Ruhe) von Zuhause erledigen. Darf ich aber nicht, sagt die Vorschrift, wenn ich das denn wollte, müsste ich erstmal einen langen und ermüdenden Antragsweg bewschreiten, müsste meine besonderen Gründe darlegen, mit „Popo plattsitzen“ käme ich da vermutlich nicht weit.

So ähnlich ist es auch mit der Verantwortung, warum gibt man den Mitarbeitern nicht einfach mehr Verantwortung für ihr Handeln, fördert Talente und lässt sie eigenverantwortlich(er) arbeiten. Ich bin sicherlich ein Fan des Vier-Augen-Prinzips, aber nicht der endlosen Kontrollen, die in erster Linie demotivierend wirkt, zumal dabei eigentlich gute Ideen ganz schnell verpuffen.

Ich bin selbst eine ganz kleine Chefin, aber ohne  Angst vor Machtverlust, weil ich Teamplay wirklich toll finde und nicht das Gefühl habe schlechter zu sein, weil (auch) andere gut sind. Ich habe es schon erlebt ,dass Menschen, die Verantwortung für ihr Handeln tragen, wesentlich besser und effektiver arbeiten. In meiner Chefin-Funktion „darf“ ich gerade an einem Konflikt teilhaben, den es vermutlich nicht gäbe, könnte man den Betroffenen mehr Handlungsspielraum geben.

Realistisch betrachtet, werde ich wohl nicht mehr an der schönen, neuen Arbeitswelt partizipieren, denn bis sie mal im Alltag angekommen ist, werde ich hoffentlich ganz eigenverantwortlich meinen Ruhestand genießen können.

Bis morgen
eure

Ela

 

Zitat des Tages:

Verantwortliche Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter!

Foto des Tages

Man darf ja mal träumen …

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