Wir waren mal drei

Früher, also als ich jung war, noch keine 20, hatte ich zwei beste Freundinnen mit denen ich ständig unterwegs war tags wie abends.

Beide waren Pferdenärrinen und ich im Grunde auch, nur durfte ich wegen meines Rückens nicht mehr reiten. Aber durch sie durfte ich zumindest bei den Pferden sein, sie striegeln und füttern.

Abends hatte wir unsere Lieblings Disco zum Abtanzen, unser Stammlokal und unseren Griechen.

Elke brachte mir (sie versuchte es) Gitarrespielen bei, ich half ihr beim Englischlernen und Ute wäre fast mal meine Geschäftspartnerin geworden, ich wollte damals Tourismus studieren und zusammen planten wir ein ganz besonderes Reisebüro.

Beide waren sehr schöne Mädchen, Elke sah aus wie die junge Brigitte Bardot und Ute war auch eine von diesen wirklich schönen Blondinen. Ich war etliche Zentimeter kleiner sls beide und ein mittelblonder Lockenkopf.

Wir drei waren ein tolles Team und hatten jede Menge Spaß. Irgendwann trennten sich unsere Wege, wir flogen in verschiedene Himnelsrichtungen aus und der Kontakt wurde seltener und seltener, immer plante ich, dies zu ändern, anzurufen und ein Treffen zu organisieren. Aber es kam nie dazu , es war so vieles wichtiger.

Vor einigen Jahren erreichte mich die Nachricht, Ute ist tot. Verstorben mit 39 an einem Herzinfarkt beim Friseurbesuch.

Elke fand ich schließlich bei Facebook wieder, wir schrieben ab und zu, wir wollten uns unbedingt mal treffen. Aber wir hatten ja Zeit, es eilte nicht.

Vor einem halben Jahr schrieben ihre Kinder auf Facebook: Unsere Mama verstarb nach langer und schwerer Krankheit.

Nun bin nur ich noch über und fühle mich ein bisschen verloren und allein gelassen. Trotz des wenigen Kontakts fehlen sie mir. Auch wenn das objektiv nicht stimmt, ich habe meine Familie und tolle Freunde. Aber nun gibt es nur noch eine Freundin, die mich in jung kannte und keine mehr die mit mir jung und verrückt war.

Außerdem fühlt man natürlich auch wie die Einschläge näher kommen …

Nie wieder!

Liebste Grüße

Ela

Tag 255 – Alte Freundinen

Vor ein paar Tagen habe ich mich mal wieder mit meiner ältesten Freundin S. unterhalten, irgendwann kamen wir drauf, dass unsere Freundschaft ins 40. Jahr geht. Dabei fand ich S. damals ziemlich nervig, war sie doch die Tante (!!!) meines Freundes O.. Sie ist zwar nur ein Jahr älter, nannte ihn aber ständig „Neffchen“ und fand das selbst sehr lustig. Sie war echt anstrengend und etwas gaga … hatte mir damals einer gesagt, dass die Liebe zu O. geht und die Freundschaft mit S. bleibt, ich hätte ihn für verrückt erklärt. 

Aber genauso sollte es kommen. Auch wir hatten unsere Krisen, große Kräche, Funkstille, aber auch wenn wir verschiedener nicht sein könnten (also nicht, dass ich nicht auch leicht gaga bin), die Freundschaft überdauerte Jahrzehnte, räumliche Entfernung, völlig unterschiedliche Lebensmodelle.

Aber zurück zum Telefongespräch, nachdem wir uns über die vergangenen 40 Jahre ausgetauscht hatten, stellten wir erschrocken fest, dass wir uns langsam mit dem Gedanken anfreunden müssen, nicht mehr jung zu sein (alt zu werden wollte ich aber doch nicht schreiben), nicht mehr die Teens sind, die sich gegenseitig die Wimpern färbten und im Legere abtanzten. Und auch nicht mehr die, die sich fragten, was die Liebe und das Leben bringen würde. 

Lauter Abschnitte, die hinter uns liegen, aber was liegt noch vor uns? Schaffen wir vielleicht nochmal 40 Jahre?  Wenn ja,  was werden wir uns dann erzählen?

Liebste Grüße 

Ela

Tag 141 – Abschied und Erinnerung 

Hallo, liebster Freund,

fünf Jahre sind vergangen und an manchem Tag bin ich immer noch versucht durchzurufen und überzeugt, dann deine Stimme zu hören, die – wie sie es immer getan hat- sagt: „Hallöchen, hier ist der Norbert“.

Aber ich werde sie nie wieder hören, seit fünf Jahren muss ich nun schon ohne dich, meinen Seelenverwandten, einen meiner Lieblingsmenschen, leben. Manchmal bin ich sauwütend, weil du dir damals nicht mal eine Chance gegeben hast. Was hätten dich ein paar Wochen, ein paar Monate schon gekostet? Ich weiß, der Tod von deinem Ralf hatte dich völlig aus der Bahn geworfen und doch wäre es irgendwie weitergegangen, da wäre neuer Lebensmut gewesen und alles andere hätte man regeln können.

Du lebst weiter in meinem Herzen mein allerbester Freund, ich bin dankbar einen Menschen wie dich und auch Ralf in meinem Leben gehabt zu haben. Ich vermisse deinen Rat, deinen Großmut und das Lachen mit dir. Was würde ich jetzt geben, für eine Stunde Ratschen mit dir.

Vielleicht irgendwann, dann stehst du da am Tor zur sanderen Seite, schaust mich an, zwinkerst und sagst: „Hallöchen, hier ist er wieder, der Norbert„.

Bis dahin mein Freund, rock den Himmel und grüß mir den Ralf

deine Ela