Handicap

Tag 285 – Reisebericht London/Cardiff, Teil IV: Keep calm the doctor comes

Gepostet am Aktualisiert am

Das stimmt so nicht ganz, denn wir sind ja in Wirklichkeit gekommen. Tatsächlich war aber Doctor Who der eigentliche Grund für unsere Reise.

Einige fragen sich nun wahrscheinlich, wer dieser Doctor überhaupt ist. Er ist die Titelfigur einer BBC-Serie, die erstmal am 23.11.1963 ausgestrahlt wurde. Ursprünglich war es eine SF-Serie für Kinder um einen zeitreisenden Timelord, Doctor Who eben. Mit der Zeit fanden auch immer mehr Erwachsene die Serie toll und die Fangemeide wuchs. Der Doctor reist mit (wechselnenden) Begleitern in der Tardis (eine umgebaute Polizei-Station) durch Raum und Zeit und muss vielfältige Abenteuer bestehen. 1989 war jedoch erstmal Schluss, danach kam noch ein Film bis es dann 2005 weiterging und noch geht. Der Doctor hat in all den Jahren häufig seine Gestalt gewechselt. Nach 828 Folgen in 36 Staffeln  ist die Serie absoluter Kult und hat ihre Fans überall auf der Welt.

Der ganz große Doctor Who-Fan in der Familie ist  J., die mich in abgeschwächter Form inzwischen angesteckt hat und sogar die Oma ist inzwischen fast ein Fan. Die Serie wird heutzutage hauptsächlich in Cardiff, das in den letzten Jahren eine richtige Medienstadt geworden ist, gedreht. Seit einiger Zeit gibt es hier auch die Doctor Who Experience, in die wir heute wollen. Es eilte ein wenig, denn am Ende des Sommers soll sie schließen. „Ich will nach Cardiff, kommt ihr mit?“, mit diesen Worten von J. fing alles an.

Aber erstmal sitzen wir – schon wieder im Sonnenschein – beim Frühstück, zugegebenermaßen nicht ganz so gut wie in London, dafür aber ruhiger und auch lecker.

So gestärkt sind wir zu jeder Zeitreise bereit. Wegen E. nehmen wir ein Taxi und sind damit schnell in der Cardiff Bay Area und somit  auch bei Doctor Who. Unsere Tickets und einen Rollstuhl hat J. schon von Deutschland aus reserviert  (hier).

Am Eingang wissen wir direkt wo wir sind, da sind die Schilder und eine Tardis hängt über der Bucht. Die ersten Exponate finden sich bereits im Eingangsbereich, schnell werden wir eingewiesen und müssen mit anderen noch kurz warten, bis uns ein Galyfreyaner in seine Obhut nimmt und uns durch den ersten Teil des Abenteuers geleitet und schon sind wir Teil des Who-Kosmos, wir sind in der Tardis und fliegen mit ihr davon, treffen den Doctor und die Daleks. Ein wenig bedaure ich zwar, dass es nicht Matt Smith sondern Peter Capaldi ist, aber toll ist er auch. Ich will nicht zu viel verraten, aber ein echtes Erlebnis (Fotografieren verboten). Entlassen werden wir dann in die richtige Ausstellung mit ganz vielen Exponaten sowohl aus der klassischen als auch aus der neuen Serie. Es gibt viele Kostüme, Monster, die Begleiter und auch die alten (so viel schöneren) Daleks. Am Ende haben wir noch die Chance auf ein Foto, die wir natürlich nutzen und das jetzt in der Wohnküche hängt.

Anschließend entern wir den Shop, J. kauft ordentlich ein und unsere Omi beschließt, wie brauchen ein Tardis Milchkännchen und …

Im wenig spektakulären Cafe stärken wir uns und machen uns dann auf die Cardiff Bay Area zu entdecken, zufällig hören wir noch dass dort gerade für Doctor Who gedreht wird, aber als wir am Millenium Center angekommen sind, packen sie gerade ein. Trotzdem lohnt der Besuch, die Gegend ist sehr modern, es gibt tolle Restaurants, Cafes und jede Menge Wasser.

Fortsetzung folgt mit ein bisschen mehr Cardiff

Liebste Grüße 

Ela

Advertisements

Tag 283 – Reisebericht London und Cardiff, Teil III: 11.30 Uhr ab Paddington

Gepostet am Aktualisiert am

Ihr ahnt es wahrscheinlich, ich bin ein großer Fan von Agatha Christie. Quatsch, sie ist mein Idol. Endlich hatte ich nun die Gelegenheit den Schauplatz eines ihrer bekanntesten Bücher 16:50 Uhr ab Paddington zu sehen und tatsächlich spürte ich so etwas wie Aufregung als wir bei wiederum strahlenden Sonnenschein im Taxi zum Bahnhof Paddington saßen. Allerdings überlagerte ein kleines Zeitproblem die Aufregung. Aber wir hatten Glück, es fand sich ein Ritter.

Angekommen am Bahnhof, der nicht nur eine Baustelle ist, sondern auch anders funktioniert als bei uns. In diesem Moment ein echter Glücksfall für uns, denn dort fährt so eine Art größerer Golfkarren rum, der junge Mann der ihn fährt, lädt, ehe wir uns versehen haben,  E. und Willi auf sehr charmante Art, in den Wagen und zeigt uns den Weg zum Gleis 1, wo wir unsere E-Mail gegen ein richtiges Ticket einlösen können. Knapp 10 Minuten vor Abfahrt ist auch das erledigt, vor der Tür steht der Golfkarren mit E., wir dürfen zusteigen und er fährt uns bis zum Wagon. Der freundliche Fahrer hilft E. beim Einsteigen, bringt ihr Gepäck und Willi unter und hat bereits in Cardiff angerufen, damit ihr auch dort geholfen wird. An so einem Service – er war nicht bestellt! – sollte sich die Deutsche Bahn echt mal ein Beispiel nehmen!!!

Knapp 2,5 Stunden später, nach einer sehr angenehmen Fahrt durch Englands grüne Landschafften kommen wir in der Hauptstadt von Wales in Cardiff an. Tatsächlich steht ein Herr bereit, der E. beim Aussteige und mit dem Gepäck hilft. Auch hier lachte die Sonne und unser Hotel Clayton ist nur einen Steinwurf entfernt. Wir werden freundlich empfangen und werden noch feststellen, dass die Waliser überhaupt sehr nette Menschen sind. Ein behindertengerechtes 3-Bett-Zimmer haben sie hier leider nicht, aber wir dürfen entscheiden, ob wir ein Zimmer zum Innenhof oder zum Bahngelände wollen. Wegen meiner Klaustrophobie enscheiden wir uns für das Bahngelände. Leider war das Zimmer wirklich sehr eng und nur mit Müh und Not kriegen wir Willi unter. Ansonsten ist das Zimmer ganz okay, nur Ablagen fehlen total.

Als erstes gehen wir auf Stadterkundung, na ja, nachdem wir unseren großen Hunger im gegenüber liegendem Pub gestillt hatten. Ich glaube, so ein großers Steak habe ich noch nie gegessen, noch dazu war es gut und preiswert. Der Pub ist sehr alt ubd hat viel Atmosphäre, Touristen sind hier wohl eher selten. 

Vollgefuttert geht es in die ganz nahe Fußgängerzone. Cardiff ist keine wirklich schöne Stadt, dazu ist sie zu rustikal  und zu sehr von einfachen Menschen geprägt. Auch das touristische Make up hat sie noch nicht aufgetragen. Aber Cardiff hat mehr, die Stadt ist voller Leben und davon findet viel auf den Straßen statt. Außerdem hat sie auch besonders schöne und etwas versteckte Seiten, die Arcaden. Das sind etliche überdachte victorianische Passagen mit süßen, kleinen und größeren Läden und Lokalen. Wir sind spontan verliebt und genehmigen uns noch ein lecketes Eis. 

Dann möchte E. zurück ins Hotel, nachdem wir sie wohlbehalten abgeliefert haben, machen J. und ich uns wieder auf den Weg, entdecken eine schöne alte Kirche und schaurn schon mal durch das Gitter zum prächtigen Schloß, ehe wir uns auch auf den Heimweg machen. 

Morgen müssen wir fit sein, denn der Doctor wartet auf uns …

Liebste Grüße 

Ela

Urlaubstag 9 (Tag 94) – Warum Scharbeutz nichts für Leute mit Handicap und/oder ohne Auto ist

Gepostet am Aktualisiert am

Geht es eigentlich nur mir so? Fast in jedem Urlaub, der länger als eine Woche dauert, gibt es diesen Tag, an dem ich mich frage: Was mache ich hier eigentlich?  Genau dieser Tag war heute, ich war grundlos so richtig stinkig und fand alles doof. 

Zum Glück kamen mir nicht allzuviele Menschen in die Quere. Aber der Frau von der Tourist-Info habe ich erstmal einen Vortag gehalten, wie wenig sich der Ort für Menschen mit Handicap und überhaupt für solche ohne PKW eignet. Aber damit habe ich auch recht!

Direkt im Ort gibt es nicht den kleinsten Supermarkt/Späti und auch keinen Drogeriemarkt, dahin muss man erstmal eine recht lange Strecke  (mehr als 1 km) bergauf laufen. Ich würde es nicht schaffen, einen Rollstuhl darauf zu schieben und auch ein Kindetwagen wäre Schwerstarbeit. Meine Mutter, gehbehindert mit Willi (ihr Rollator) wäre mir unterwegs fast kollabiert. Dabei gibt es unten am Meer Hunderte von Ferienwohnungen. 

Bushaltestellen sind nicht ausgeschildert und auf dem Rückweg von Timmendorfer Strand  oder Travemünde hält der Bus nur oben auf dem Berg.

Während es unten keinen Supermarkt gibt, ist oben kein Cafe oder Ähnliches zum Rasten, das nenne ich mal Ausgleich.

Also egal ob meine Laune nicht gut war, das finde ich noch viel weniger gut!

Der Weg bergab, in Wirklichkeit viel steiler