Tag 336: Spieglein, Spieglein …

Ich war einkaufen und endlich hat es sogar mal wieder Spaß gemacht. Also jetzt keine Kartoffeln und Karotten, sondern Klamotten.  Was heißt hier Spaß gemacht, sagen wir es so, bis zu einem gewissen Punkt.

Größe und Größe, eine Wissenschaft für sich

Nachdem Galeria mir nach drei Hosen und zwei Kleidern nichts zu bieten hatte (zu klein, zu groß, falsche Farben), hatte ich schon den ersten kleinen Frust weg. Ich meine, ein Meter ist doch auch ein Meter, egal ob bei Obi oder im Bauhaus. Warum kann man denn bitte Kleidergrößen nicht auch entsprechend vereinheitlichen und bitte auch mal an Frauen denken, die nicht zwangsläufig zur nicht besonders schmalen Taille auch breite Hüften haben? Aber das Thema hatte ich ja schon.

Egal, schon leicht angefressen bin ich weiter zu TK Maxx, ich liebe nämlich Schnäppchen und außerdem haben die gerade viele Sonnenbrillen.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Hässlichste im Land?

Wie immer bei TK musste ich auch sonst mal gucken und mir fiel auch ein, ich brauche für die REHA noch ein paar Sportsachen. Da ausnahmsweise mal nicht viel los war, fand ich reichlich. Insgesamt habe ich 20 Teile in zwei Durchgängen anprobiert *rotwerd*. Dass ich das getan habe, statt mir direkt eine Kutte zu kaufen, wundert mich noch immer. Ich hatte kaum die Kabine betreten, da ging es schon beim Entblättern los oder eigentlich schon vorher. Ich schaute in den Spiegel und wollte direkt die Flucht antreten, diese Tante da im Spiegel, war minimum 10 Jahre älter, 10 Kilo schwerer, 100 % delliger und fleckiger als ich. Ich kam mir vor, wie in so einer Alterungs-App. Ehrlich, ich hätte fast angefangen zu heulen. Stattdessen habe ich versucht anzuprobieren ohne groß in den Spiegel zu schauen und ohne zu kot***. Wie zu erwarten war, begleitete mich so auch nur wenig nach Hause, eine Sporthose und Sport-BHs, eine Strandtasche, ein Kleid (weil es so gut saß) und eine Bluse, die ich nicht anprobiert hatte. Warum sollte man auch Klamotten kaufen, die einen hässlicher machen?

Nur geträumt?

Gestern unterhielt ich mich dann mit meiner einzigen Lieblingstochter darüber, die im Moment gerade vor dem Hammerexamen zittert, und wir beschlossen, sollte sie durchfallen (tut sie eh nicht). machen wir einen Laden auf, der die Menschen glücklich macht. Mit Spiegeln, die einen in einem guten Licht zeigen, nicht dicker machen und rosig aussehen lassen. Auf gar keinen Fall dürfen unsere Kundinnen schlechter aussehen. als im wahren Leben. Wir stellen Beraterinnen ein, die immer die positiven Seiten unserer Kundinnen hervor kitzeln und wir lösen uns von den starren Größen . Stattdessen werden wir kreativ und denken uns nette Bezeichnungen aus. Unser Ziel wird es sein, dass nur glückliche Kundinnen den Laden verlassen!

Und kaufst du bei uns ein?

Liebste Grüße

Ela

Tag 290: Weder dick noch dünn, einfach ich

Ich war beim Friseur und dort beim Einwirken der Farbe, muss ich dringend in den bunten Blättchen, die ich mir verbiete zu kaufen, schmökern, dort stand unter anderem zu lesen, dünne Models wären out, jetzt kämen richtige Frauen. Klasse, denke ich, und endlich!

XXXS oder XXXL

Dann lese ich und staune, denn um was geht es? Um eine junge Frau, die mit 130 kg und Kleidergrösse 54/56 dabei bei einer namhaften Agentur ist als Model durchzustarten. Wenn ich das dann mit den Models vergleiche, die inzwischen ja so dünn sind, dass sie beim Laufen bestimmt klappern, denke ich, was ein Unterschied. Mir fällt auch ein, ich habe irgendwo gelesen, Size Zero ist out, statt der 32 muss es eine 30 sein. Also so schrecklich out, kann es dann wohl doch nicht sein? Aber schön finden muss frau es ja nicht.

Aber wo bleiben wir, die normalen Frauen?

Komisch denke ich, und wo bleiben Frauen wie du und ich? Von beiden Extremen gleich weit entfernt, nicht super dünn, aber auch nicht dick. Wir Normalo-Frauen mit Kleidergrössen zwischen 40 und 46, mit ein paar Rundungen, (knapp) normalgewichtig mit einem BMI zwischen zirka 26 und 30. Warum  beschleicht mich wieder einmal das Gefühl nicht existent, vergessen zu sein (nur wenn ich mich nicht gerade fett fühle)? Kein Designer, Mode-Journalist, Einkäufer scheint an uns zu denken. Der Witz daran ist, wir sind die Normalen und teilen unser Schicksal mit der Mehrheit aller Frauen in Deutschland.

Lasst uns über die Realität reden, was passiert denn, wenn du beispielsweise mit Größe 42  in die Läden gehst?  In der chicen Boutique steht so ein XXS-Modepüppchen, rümpft ihr Näschen und verkündet: „Ihre Größe führen wir nicht!“ oder wenn die Einnahmen nicht gut sind, versucht sie uns in eine Presswurst zu verwandeln, da sie uns in eine 38 quetscht. Nebenan im Plussize-Shop hat die XXL-Lady im Blick „Was will denn die hier?“ und meine Größe gibt es auch nicht. Wenn es sie denn doch gibt, müsste ich mich in ein entweder in ein Wohnzelt hüllen und kriege meinen Hintern zweimal in die Hose. Im Kaufhaus gibt es meine Größe, juhu, aber entweder sind es die gleichen Modelle wie in XS oder die in XXXL, beides ist nicht zwingend passend und gefallend. In der Bluse aus der dünnen Liga, fühle ich mich wieder wie eine Presswurst: „Nein, ich finde nicht, dass mein Bäuchlein betont werden sollte!“, hingegen in der Hose im gleichen Schnitt, wie für 3X,  fehlt es mir eindeutig an Hüfte und ich bin nur froh, dass ich die Falten nicht im Gesicht habe. Wieso glauben Designer  eigentlich,  mit weniger Taille habe man automatisch auch mehr Po und Bein?

Liebe Designer und Einkäufer …

Es ist eines der letzten Mysterien unsere Zeit, ich kapiere es einfach nicht, warum jammert die Modewelt einerseits über sinkende Umsätze, aber ignoriert andererseits die Mehrheit der Frauen? Denkt ihr, wir werden schon nicht nackt rumlaufen und daher eure schlecht sitzenden Klamotten trotzdem kaufen? Bis zu einem gewissen Grad stimmt das ja leider auch, man sieht nicht viele Frauen meiner Liga mit wirklich gut sitzender Kleidung im Straßen-Alltag, schämt euch! Aber und darüber solltet ihr nachdenken, ich habe mich gerade mit Freundinnen unterhalten, es gibt inzwischen viele Frauen, die nur noch wenig Lust aufs Klamotten-Shoppen und den damit verbundenen Frust haben. Natürlich kaufen sie, aber nur noch das, was sein muss und damit fehlen all die Lust- und Frustkäufe  in eurer Kasse.

Was tun?

Wie es bei den anderen ist, weiß ich natürlich nicht, aber ich bin eigentlich ganz zufrieden mit mir. Klar könnten es an der einen oder anderen Stelle ein/zwei Kilo weniger sein und an genau Zweien 😉 etwas mehr, aber es ist okay. Das Mehr ist als kleine Entschädigung ein prima kostenloser Faltenfüller, polstert auf und hält die Haut schön glatt.

ich
Einfach ich

Den Spaß am Shoppen kann man ja auch  anders finden, es gibt ja noch Schuhe, Taschen, Kosmetik, Schmuck … Oder mach es wie ich, buche einfach eine Reise mehr … Nichts macht so schön, wie Zufriedenheit.

Es würde mich sehr interessieren wie ihr zu dem Thema steht?

Liebste Grüße

Ela