Tag 295: Zeit, wo bist du geblieben, wo willst du hin

Diesen Beitrag habe ich ursprünglich im Mitmach-Blog veröffentlicht

Manchmal wache ich morgens auf, erschrecke mich und denke „Scheiße Mädchen, du bist 56“ und irgendwie kann ich es selbst nicht glauben, das kann nicht sein, wo sind nur all die vielen Jahre hin?.

Strauss, oh graus und rosa Wolken

Es war gestern doch erst, als ich mit 17, Strauss als Bundeskanzler verhindern und Männer in Anzügen für den Bundestag verbieten lassen wollte. Ich hatte so unendlich viele Träume, ich wollte nie mehr besitzen, als in zwei Koffer passt, ich wollte einen Job, der mich um die Welt führt oder aber nach Hollywood und einen Oscar gewinnen, kurz hatte ich sogar mal daran gedacht Prinz Charles zu ehelichen und irgendwann die Queen zu werden . Nur ein paar Jahre später sah es wieder anders aus, meine große Liebe und ich waren schon eine Weile zusammen, träumten von Hochzeit und Kindern, ich wollte Germanistik und Philosophie studieren, die Welt besser machen. Ganz kurz darauf war er ausgeträumt der Traum, der Mann war weg, ich sehr traurig und mindestens genauso wütend und setzte beruflich auf Nummer Sicher. Ist das alles wirklich schon so lange her, dass es mir scheint, es geht um eine andere, eine Fremde?

Große Abenteuer im Trabbi

Mit dreißig machte ich mich dann endlich wirklich auf zu einem großen Abenteuer, ich ging in den Aufbau Ost. Die vielleicht aufregendste, aber auch arbeitsintensivste  Zeit meines Lebens begann, wir, mein Kollege und ich, der nicht immer Kollege blieb, fuhren im Trabbi oder Wartburg durch alte Alleen, graue Dörfer, aßen Soljanka oder Wurstgulasch, wir entdeckten unterirdische Bunkeranlagen, waren in Honeckers Regierungsmaschine, feierten in einer russischen Kaserne. Ich verliebte mich nicht nur in meinen Kollegen sondern auch in Potsdam (diese Liebe blieb).

Mama und Bayern

Mein Kollege wurde mein Geliebter, mein Mann und machte mir das größte Geschenk meines Lebens, meine Tochter. Die Liebe war groß, hielt dem Alltag aber nicht stand, ich ging zurück nach Braunschweig. Aber schon bald merkte ich, hier war es zu klein für mich geworden und wieder brach ich  auf, diesmal gen Westen und im Gespann mit Mutter und Kind. Meine Karriere fing an Fahrt aufzunehmen, ich interessierte mich für Frauenpolitik, war engagiert und wurde gefördert.  Aber wieder kam es anders, ein Todesfall zwang mich für einige Jahre nach Bayern (da wollte ich eigentlich nie hin). Ein paar Jahre später ging ich schweren Herzens, denn ich hatte mich ins Allgäu verliebt, wieder mit Mutter und Kind im Gepäck, nach Berlin, dort begann für mich so richtig die Zeit als Eislaufmama im (Synchron-) Eiskunstlaufzirkus, Auch das war eine tolle Zeit, ich km in Orte, wo ich ohne den Sport niemals gekommen wäre, begann für für zwei Fach-Zeitschriften zu schreiben, lernte die Stars der Szene kennen.

Wohin führt der Weg?

Ich verstehe es nicht, wie kann es sein, warum ist das alles (bis auf die eine Zeitschrift) Gestern? Ich fühle mich nicht, als würde ich innerhalb der nächsten 10 Jahre in Pension gehen. Ich habe noch immer noch einen Kopf voller Träume und eine faltenfreie Seele, wenn auch einen angeschlagenen Körper.

Manchmal muss ich daran denken, dass mir, wenn ich viel Glück habe, vielleicht noch 25 gute Jahre bleiben. Ich sehe es an meiner Mama, dass das Alter nicht wirklich lustig ist, viele Einschränkungen mit sich bringt und – was ich wirklich furchtbar finde – der Mensch nicht mehr für voll genommen wird, er ist lebendig und scheint doch schon außerhalb zu stehen. Manchmal sprechen Leute (z.B.) Ärzte mit mir, obwohl meine geistig super fitte Mutter neben mir sitzt.

Das macht mir Angst, genau wie die Zeit, die im gleiche Maße schneller wird, wie ich langsamer. Trotzdem bin ich auch gespannt auf alles was da noch kommen mag. Werde ich ein paar meiner Träume noch verwirklichen, eine Zeit am Meer und/oder unter südlicher Sonne leben, wie ich es mir wünsche, reisen malen und schreiben oder kommt es doch wieder ganz anders?

Liebste Grüße

Ela

Tag 50 – Ist Liebe unendlich?

Ich meine nicht die Liebe zum Kind, die zu den Eltern, Großeltern, der Familie sondern die zwischen Mann und Frau oder auch zwischen Frau und Frau, Mann und Mann. Mir ist heute Früh etwas Seltsames passiert, meine älteste Freundin schickte mir ein Foto von meiner ersten großen Liebe (sie ist mit ihm verwandt) von ihm und seinen Kindern, anlässlich eines Schulabschlusses und irgendwie hat dieses Foto meine Seele berührt und das nicht nur, weil er immer noch toll aussieht.

In meinem (bisherigen) Leben gab es wenige Lieben und ein paar Liebeleien, die nicht auf Dauer angelegt waren. Wenn ich liebe, dann sehr und mit ganzem Herzen. Meine Lieben haben nicht gehalten und ich habe sehr gelitten. Auch damals … darum habe ich vor einiger Zeit beschlossen: „Nun ist Schluss, ich will nie wieder so leiden“,  irgendwie scheine ich wohl nicht für eine dauerhafte Beziehung gemacht zu sein. Sonst wäre es ja mal gut gegangen und hätte gehalten. Aber ich bereue nichts, haben sie mir unendlich schöne Momente und  den größten Schatz meines Lebens geschenkt, meine Tochter.

Diese erste große Liebe, der erste Mann ist wohl immer besonders und unvergesslich. Jung und naiv glaubt man, soviel Gefühl könne nur für die Ewigkeit sein, unendliches Vertrauen und der Glauben an die Güte des Schicksals begleiten sie. So auch bei mir, aber es sollte anders kommen, unsere Liebe hatte in der Schule begonnen. Ein paar Monate nach dem Abitur zogen wir beide in unterschiedliche Städte zum Studieren. Dort fand er erst eine andere und dann war ich zu stolz ihn zurückzunehmen.Wirklich zusammengepasst haben wir wohl nie, er der totale Kopf- und ich der absolute Bauchmensch. Ich erinnere mich an unsere erste gemeinsame Reise, zusammen schauten wir der untergehenden Sonne und dem aufsteigenden Mond und den Sternen zu. Ich fand das unendlich romantisch und sagte ihm das auch, woraufhin er mir erklärte, wie ein Stern zusammengesetzt ist.

Mehr als 30 Jahre vergingen, jeder von uns lebte sein Leben, er heiratete, bekam zwei Kinder, ließ sich scheiden, zog mit einer neuen Frau zusammen und trennte sich wieder. Bei mir hat es lange gedauert, Jahre, bis ich meine Trauer überwunden hatte, aber dann war ich auch wieder offen für die Liebe, lernte den Vater meiner Tochter kennen, wir gingen eine Teil unseres Weges zusammen, trennten uns, weil uns mehr trennte, als verband. Jahre später begegnete mir die Liebe dann noch einmal, aber auch diesmal war ihr keine Dauer vergönnt. In all diesen Jahren hörte ich nur über meine Freundin sporadisch von O. (nennen wir ihn so), immer wieder gab es die Momente: „Was wäre wenn?“ Aber die waren nie mehr als ein flüchtiger Atemhauch.

Vor ein paar Jahren sollte es dann einen Jahrgangstreffen meiner Abi-Klasse geben, Adressen wurden ausgetauscht und dabei flatterte mir auch die Freundschaftsanfrage von O. ins Haus. Natürlich nahm ich sie an, wir tauschten Neuigkeiten aus und über die Zeit entstand ein freundschaftlicher Austausch, mehr nicht. Das geplante Treffen fand nie statt, aber wir, O. und ich trafen uns, als ich nicht weit von seiner neuen Heimat zu tun hatte. Ich war ganz schön aufgeregt, aber irgendwie war O. mir gar nicht fremd. Trotzdem  stellte ich fest, wir haben nicht viel gemeinsam. Dabei ist er ohne Frage sehr nett, sehr lieb, aber über seinen Rosenkrieg war er noch lange nicht weg. Den ganzen Abend redete er über Sicherheitsgurte und seine gescheiterte Ehe, aber vielleicht war er ja auch aufgeregt? Trotzdem gab es an diesem Abend so einen kleinen magischen Moment, ganz am Ende als er mich zum Abschied in den Arm nahm, da war etwas …

Hat er ihn auch gespürt? Ich weiß es nicht, vermutlich eher nicht, nach und nach wurde der Kontakt weniger. Dann passierte im letzten Jahr etwas merkwürdiges, an einem Tag im August rief mich meine Freundin an und erzählte O. und sein Sohn wären da und O. wolle mich unbedingt besuchen. Schon am nächsten Tag trafen wir alle uns, ich nahm meine Tochter mit, meine Freundin, ihr Mann, O. und sein Sohn. Es waren wunderschöne Stunden, leicht und unbeschwert. Da war etwas zwischen uns, zweifellos. Danach schrieb O. mir für eine Zeit jeden Tag, es wurde intensiver und dann plötzlich nichts mehr, von heute auf Morgen . Warum habe ich nie erfahren. Ich war etwas verwundert und klein wenig traurig, obwohl das Kapitel ja eigentlich für mich abgeschlossen war und auch nie mehr die Rede von Liebe war. Dlangsam senkte sich langsam gnädiges Vergessen über die Geschichte. Außerdem und eigentlich hätte eine neue, alte Liebe eh nicht in mein Leben gepasst.

Nach einiger Zeit habe ich kaum noch dran gedacht, bis zu diesem Foto heute Früh. Es hat mich nachdenken lassen, über die Liebe, die Männer in meinem Leben. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass Liebe niemals stirbt, dass irgendetwas für immer bleibt? Oder ist es so, dass mich die verpassten Möglichkeiten traurig machen oder ist es die Wehmut über eine Zeit die vergangen ist?

Bis morgen
eure

Ela

Gedanke des Tages:

Was wäre wenn?

 

Zitat des Tages:

Denn die Liebe ist ein Chamäleon. Immer wieder zeigt sie eine andere Farbe. Und manchmal sagt sie: Ich gehe!, aber sie geht nicht. [Ahmad Ghazzali (1058-1111)]

Foto des Tages

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@365tageimleben, 2016